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Informationen über Psychotherapie

Sie überlegen...

Sie überlegen vielleicht, ob Ihnen eine Psychotherapie helfen kann? Sie suchen eine Psychotherapeutin, wissen aber nicht, was eine qualifizierte Psychotherapeutin ausmacht? Oder Sie möchten genauer wissen, was während einer Psychotherapie passiert?

Auf diesen Seiten möchten wir Ihnen einige Antworten geben, die weiterhelfen. Was Sie hier finden, sind Informationen, die Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und Hinweise, was Sie tun können, wenn Sie eine professionelle Behandlung möchten. Eine Beratung oder gar Psychotherapie finden Sie hier nich

Wann ist eine Psychotherapie ratsam?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Jeder Mensch kennt psychische Beschwerden. Jeder Mensch gerät im Laufe seines Lebens in verschiedene Krisen. Häufig gelingt es, diese Krisen ohne professionelle Hilfe zu bewältigen. Die menschliche Psyche verfügt über beachtliche Selbstheilungskräfte. Viele Menschen haben Familie und Freunde, die sie hierbei wirkungsvoll unterstützen können.

Manchmal gelingt es jedoch über Wochen und Monate nicht, aus eigener Kraft oder durch Gespräche mit einem Partner oder Freund wieder ins Lot zu kommen. Die psychischen Probleme bleiben bestehen, entwickeln oftmals auch eine negative Eigendynamik, der sich der Einzelne allein nur schwer entziehen kann. Dann ist es sinnvoll, eine Psychotherapeutin aufzusuchen und in einem persönlichen Gespräch zu klären, ob eine Behandlung ratsam ist.

Manchmal sind psychische Erkrankungen auch nicht so einfach zu erkennen. Es gelingt, die schwierigen Gefühle zu umgehen. Eine Freundin geht für Sie im Kaufhaus einkaufen, dessen Gewimmel immer wieder Panikanfälle auslöst - und schon ist die übermächtige Angst vor vielen Menschen nicht mehr spürbar. Trotzdem kann sich die psychische Störung, die tatsächlich besteht, weiter verfestigen und dauerhaft werden. Es kann sich also auch bei gelegentlichen, aber wiederkehrenden außergewöhnlichen Gefühlen lohnen, sich mit einer Psychotherapeutin darüber zu unterhalten. Unten sind "Erste Fragen an sich selbst" aufgelistet, die Ihnen weiter dabei helfen können zu klären, was mit Ihnen los ist und ob es ratsam ist, sich um professionelle Unterstützung zu bemühen.

Erste Fragen an sich selbst

Wenn Sie noch eingehender prüfen möchten, ob für Sie eine Psychotherapie in Frage kommt oder nicht, hilft Ihnen vielleicht folgende Frageliste weiter (angelehnt an Rosemarie Piontek, Wegbegleiter Psychotherapie, Bonn 2002):

  • So kenne ich mich nicht!
  • Fühle ich mich anders als sonst?
  • Beunruhigt mich diese Veränderung?
  • Gibt es eine Erklärung für die Veränderung?
  • Reicht diese nicht aus, um die Dauer und Heftigkeit der Beschwerden zu begründen?
  • Mache ich mir immer Sorgen und habe ich viel Angst?
  • Leide ich unter körperlichen Beschwerden?
  • Kann ich meine tägliche Arbeit nur noch mit Mühe verrichten?
  • Ist mein Schlaf gestört, schlafe ich zu wenig oder zu viel?
  • Fühle ich mich oft aggressiv, hasserfüllt, gereizt oder bin ich sehr intolerant?
  • Bin ich oft krankgeschrieben?
  • Denke ich daran mich umzubringen?
  • Habe ich kaum noch Menschen, mit denen ich über meine Probleme sprechen kann?
  • Helfen Gespräche mit Freunden nicht mehr?
  • Fällt die Veränderung auch anderen deutlich auf?
  • Ist das schon länger als drei Monate so?
  • Ist mir das alles egal?

Was bedeutet "Psychotherapie"?

Der Begriff „Psychotherapie“ kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „Behandlung der Seele“. Es geht um die Beschäftigung mit dem eigenen Erleben, Denken, Fühlen und Handeln – mit dem Ziel, bestehende Probleme zu lösen, zu bessern oder zu lindern. Behandelt werden psychische Störungen, psychische Folgen von körperlichen Erkrankungen oder Probleme der Lebensführung. Die Psychotherapeutin stellt die jeweils spezifischen Bedingungen bereit, um eine Veränderung zu ermöglichen. In der Regel findet die Behandlung als Gespräch zwischen Patient und Psychotherapeutin statt, aber auch eine Vielzahl anderer Interventionen ( z.B. Rollenspiel, freies Assoziieren, Entspannungsmethoden) sind psychotherapeutische Maßnahmen. In der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wird zum Beispiel häufig das Spiel als Ausdrucksmittel eingesetzt. Psychotherapie kann mit dem einzelnen Patienten, mit dem Paar oder der Familie stattfinden sowie als Gruppentherapie.

Wann ist eine Psychotherapie der richtige Lösungsschritt?

Die Sicht des Patienten

  • "Ich komme mir vor, als sei mir der Sprit ausgegangen."
  • "Ständig geht mir etwas im Kopf herum, und wenn ich schlafe, bin ich trotzdem nicht ausgeruht."
  • "Ich bin ständig niedergeschlagen."

Psychische Krisen kennt jeder, psychisch krank möchte aber keiner sein. Vor seelischem Leid schrecken wir zurück. Es ist zu unbekannt und zu fremd. "Ich bin doch nicht verrückt!", ist häufig die erste Reaktion. Doch irren ist menschlich.

Psychische Leiden zu erkennen und zu behandeln, ist genauso wichtig, wie ein Magengeschwür zu diagnostizieren und therapieren. In vielen Fällen sind psychische Störungen sogar gravierender als die meisten körperlichen Erkrankungen und beeinträchtigen massiv den beruflichen und familiären Alltag. Sich selbst und der Welt seelisch gewachsen zu sein, kann vieles bewirken - es hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie zufrieden wir mit dem eigenen Leben sind.

Die Sicht der Psychotherapeutin

Psychotherapeutinnen sprechen von psychischen Störungen, um zu beschreiben, wie Personen darunter leiden, dass sie anders denken, fühlen oder handeln als die meisten anderen Menschen. Das kann sich darin ausdrücken, dass die Person bestimmte Gefühle, z.B. Freude, Liebe, nicht mehr empfinden kann, dass andere Gefühle wie Angst oder Traurigkeit das eigene Leben bestimmen oder dass Sie ständigen Gefühlsschwankungen ausgesetzt sind. Auch das Denken, die Konzentrationsfähigkeit oder die Fähigkeit, zu entscheiden und zu handeln, können als stark eingeschränkt oder wenig kontrollierbar erlebt werden. Psychische Störungen können sich aber auch in Form körperlicher Beschwerden, wie Verspannungen, Müdigkeit, Schmerzen, Schlaflosigkeit ausdrücken.

Typische Eigenschaften von psychischen Störungen sind, dass

  • sie sehr eingeschränkt willentlich zu steuern sind,
  • sie länger dauern,
  • sie Leiden verursachen,
  • sie das Leben beeinträchtigen (Beruf, Partnerschaft, Familie),
  • sie nicht selten lebensgefährlich sind (Magersucht, Suizidgefahr).

Was sagt eine Diagnose?

Die/ DerPsychotherapeut/-in stellt aufgrund der Symptome, an denen ein Patient leidet, fest, ob eine und welche psychische Störung besteht. Nachdem der Patient von sich aus seine Beschwerden geschildert hat, wird die Psychotherapeutin hierzu in einem oder mehreren Gesprächen gezielt Fragen nach bestimmten psychischen und körperlichen Symptomen stellen. Ergänzend werden Patienten oft gebeten, Fragebögen zur Lebens- und Krankheitsgeschichte sowie zu bestimmten Symptomen und Problemen auszufüllen.

Die Diagnose ist für beide wichtig: Die Diagnose ist für die/ der Psychotherapeut/-in von Bedeutung für die weitere Behandlungsplanung. In einem ersten Schritt kann die/ der Psychotherapeut/-in mit dem Patienten ein Verständnis für die Art der psychischen Störung erarbeiten. Darauf aufbauend können dann die geeigneten Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden.

Für den Patienten, der sich häufig selbst nicht mehr versteht, kann diese erste Beurteilung seiner Krankheit Halt und Hoffnung bedeuten. Sie kann der Wendepunkt in einer schon längeren Leidensgeschichte sein. Es wird zugleich deutlich, dass eine Besserung möglich ist. Dadurch, dass die psychische Störung einen Namen bekommt, weiß der Patient auch genauer, woran er ist. Er kann sich über seine Erkrankung besser informieren, und er kann in Selbsthilfegruppen andere finden, denen es ähnlich geht.

Diagnosen können aber auch beunruhigen, in dem Gefühl auf etwas festgeschrieben oder gebrandmarkt zu sein. Immer noch werden in unserer Gesellschaft Menschen mit psychischen Störungen diskriminiert. Sie sollten, wenn Sie Zweifel an der Bedeutung und den Auswirkungen ihrer Diagnose haben, unmittelbar mit ihrer/-m Psychotherapeut/-en darüber sprechen. Sie kann Ihnen dann auch erklären, wie die Diagnose einer psychischen Störung zu verstehen ist: als wissenschaftlich begründete Annahme über die Art ihrer psychischen Beschwerden und den wahrscheinlichen Verlauf - mit und ohne Psychotherapie. Eine Diagnose ist dabei keine endgültige Festlegung. Ziel einer jeder psychotherapeutischen Behandlung ist es letztlich, wieder einen Zustand zu erreichen, bei dem Ihre psychischen Beschwerden soweit gebessert sind, dass die/ der Psychotherapeut/-in nicht mehr von einer psychischen Störung spricht.

Die psychische Störung kann dabei sehr unterschiedliche Ursachen haben. Meist spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Dabei kann es sich zum Beispiel um Erfahrungen und Erlebnisse in der Kindheit, chronische familiäre oder berufliche Belastungen, genetische Vorbelastungen, chronische körperliche Erkrankungen, ungünstige soziale Lebensbedingungen oder akute belastende Ereignisse handeln. Das Verständnis für die Bedingungen, die zum Entstehen und zur Aufrechterhaltung der psychischen Störungen geführt haben, wird im Verlauf der Psychotherapie weiter vertieft.

Häufigkeit psychischer Störungen

Nach Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leidet weltweit jeder vierte Patient, der eine ärztliche Praxis aufsucht, an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Eine repräsentative Studie in Deutschland im Jahr 1998 stellte fest, dass circa 31 % der erwachsenen Bevölkerung im Laufe eines Jahres an einer psychischen Störung leiden. Am weitesten verbreitet sind insbesondere Angststörungen (14 %), affektive Störungen, darunter insbesondere depressive Erkrankungen (11 %) und somatoforme Störungen wie Schmerzsyndrome und psychosomatische Erkrankungen (12 %). Frauen sind, mit Ausnahme der Suchterkrankungen, insgesamt deutlich häufiger von psychischen Störungen betroffen als Männer.

Die deutlichsten Geschlechtsunterschiede finden sich bei Angststörungen und somatoformen Störungen (körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Ursachen): Frauen sind davon doppelt so häufig betroffen wie Männer. Knapp 40% der Personen, bei denen eine psychische Störung diagnostiziert wurde, wies dabei mehr als nur eine psychische Störung auf.

Welche Art von Psychotherapie benötige ich?

Es gibt derzeit keine wissenschaftlichen Studien, die eine „störungsspezifische Indikation für bestimmte Psychotherapieschulen belegen“. In verständlichen Worten: Ob Sie eine Psychoanalyse, eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, eine Gesprächspsychotherapie oder eine Verhaltenstherapie machen wollen, ist mehr eine Frage, was sie persönlich anspricht. Darüber hinaus hat die Psychotherapieforschung erkannt, dass die Qualität der therapeutischen Beziehung einen wesentlichen Anteil zum Gelingen einer Psychotherapie beiträgt.

Welche Psychotherapieverfahren führen zum Beruf Psychotherapeut/-in?

Bis zur Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) 1999 kamen in der ambulanten und stationären psychotherapeutischen Versorgung eine Vielzahl von verschiedenen Methoden oder Verfahren rechtlich gleichgestellt zur Anwendung, z.B.: Gestalttherapie, Körperpsychotherapie, Psychodrama, Systemische Psychotherapie, Neuropsychologie, Transaktionsanalyse, Hypnose, Neurolinguistisches Programm (NLP) u.a. Gegenwärtig werden zur Ausbildung zur Psychotherapeutin vier Psychotherapieverfahren anerkannt:

1. Die Psychoanalyse
2. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
3. Die Verhaltenstherapie
4. Die Gesprächspsychotherapie

Was kennzeichnet einen qualifizierte/-n Psychotherapeuten/-in?

Approbierte Psychotherapeutin

Viele psychische Störungen sind heute gut zu behandeln. Allerdings ist es nicht immer leicht, eine qualifizierte Psychotherapeutin zu finden oder sie von anderen, weniger qualifizierten Anbietern zu unterscheiden.

Seit 1999 hat der Gesetzgeber die Bezeichnung "Psychotherapeut/-in" geschützt, um eine qualitativ hohe Versorgung der Menschen zu gewährleisten. Das Psychotherapeutengesetz legt fest, dass sich nur die-/derjenige "Psychotherapeut/-in" nennen darf, der eine "Approbation" besitzt, also über die staatliche Erlaubnis verfügt, diesen "Heilberuf" auszuüben. Die Psychotherapeutin ist nämlich wie der Arzt, der Zahnarzt und der Apotheker ein staatlich geregelter Heilberuf.

Eine Approbation als "Psychologische/-r Psychotherapeut/-in" erhält,

  • wer ein Diplom-Psychologiestudium (Schwerpunkt "Klinische Psychologie") absolviert hat und
  • wer zusätzlich eine anerkannte psychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen hat. Diese ist entweder durch eine dreijährige Vollzeitausbildung oder eine fünfjährige berufsbegleitende Ausbildung zu erlangen.

Eine Approbation als "Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/-in" können,

  • neben Diplom-Psychologe/-innen auch Diplom-Pädagoge/-innen und Diplom-Sozialarbeiter/-innen erhalten und
  • wer zusätzlich eine anerkannte psychotherapeutische Ausbildung absolviert hat. Diese ist entweder durch eine dreijährige Vollzeitausbildung oder eine fünfjährige berufsbegleitende Ausbildung zu erlangen.

Schließlich sind auch Ärzte psychotherapeutisch tätig, die eine entsprechende Weiterbildung in Psychotherapie abgeschlossen haben. Sie sind an ihrer Facharztbezeichnung zu erkennen.

Approbierte Psychotherapeut/-innen tragen die Berufsbezeichnung:

Psychologische/-r Psychotherapeut/-in oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/-in

Sie sind Mitglied einer Psychotherapeutenkammer (staatlich geregelter Heilberuf).

Die meisten niedergelassenen Psychotherapeuten/-innen, also in einer eigenen Praxis arbeiten, verfügen über eine so genannte "Zulassung" durch eine "Kassenärztliche Vereinigung". Damit sind sie berechtigt, mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen.

Heilpraktiker

Heilpraktiker dürfen auch psychotherapeutisch tätig sein. Sie müssen dafür aber weder ein akademisches Studium noch eine zusätzliche anerkannte Ausbildung in Psychotherapie oder klinische Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen nachweisen. Kurse, wie sie an Heilpraktikerschulen angeboten werden, unterliegen keiner staatlichen Kontrolle. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die psychotherapeutischen Angebote von Heilpraktikern deshalb auch in der Regel nicht. Heilpraktiker dürfen sich nicht "Psychotherapeut/-in" nennen. Sie bezeichnen sich deshalb oft als "Heilpraxis für Psychotherapie" oder "Psychotherapie/HPG" (HPG = Heilpraktikergesetz).

In welchem Rahmen wird Psychotherapie angeboten?

An wen können sich Betroffene und Angehörige wenden?

Von den Mitgliedern der Landespsychotherapeutenkammer RLP arbeiten etwa 550 Psychotherapeuten im Bereich der öffentlichen psychosozialen-psychotherapeutischen Versorgung und rund 650 in niedergelassener Praxis. Psychotherapie wird im Rahmen von stationären, teilstationären und ambulanten Versorgungsstrukturen angeboten. Außerdem wird Psychotherapie über Krisendienste und Beratungsstellen vermittelt.

Konkret heißt das, ein Patient

  • kann in einer akuten Notsituation eine Kriseninterventionseinrichtung anrufen oder aufsuchen,
  • kann sich in einer Beratungsstelle Unterstützung holen,
  • kann zu einer niedergelassenen psychologischen Psychotherapeutin oder psychotherapeutisch tätigen Arzt gehen oder
  • kann nach einer Krankenhauseinweisung z.B. in eine Klinik für Psychosomatik eine stationäre Psychotherapie wahrnehmen.

Stationäre Psychotherapie

Intensive „Therapie-Dosis“ jenseits des Alltags.
„In Deutschland gibt es eine im internationalen Vergleich unvergleichlich breite Versorgung mit stationären Einrichtungen, in denen psychotherapeutisch-psychosomatische Therapien durchgeführt werden“, so die Universität Düsseldorf. Eine psychotherapeutische Behandlung im Krankenhaus wird erwogen, wenn mindestens eins der folgenden Kriterien erfüllt ist:

  • Es liegt eine erhebliche körperliche Beeinträchtigung durch die psychische Symptomatik vor
  • Eine im psychischen Beschwerdebild begründete Indikation ist gegeben (z.B.: der Schweregrad der Störung ist besonders stark ausgeprägt)
  • Es besteht eine psychische Symptomatik, die in ambulanter Behandlung zu chronifizieren droht
  • Die Aufarbeitung besonderer sozialer Defizite ist notwendig
  • Es besteht die Notwendigkeit einer intensiveren Konfliktverarbeitung
  • Eine Überforderung der Familie im Umgang mit dem Patienten oder Überforderung des Patienten durch seine engste Umgebung/Familie liegt vor

Die stationäre Psychotherapie dient als Motivierung für eine sich anschließende längerfristige ambulante Behandlung. Bei stationärer Psychotherapie ist die „Therapie-Dosis“ natürlich intensiver. Bei normalerweise drei bis zwölf Wochen Krankenhausaufenthalt finden mehrere Psychotherapiesitzungen pro Woche im Leitverfahren (z.B. Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse) statt, die meistens durch weitere psychotherapeutische Verfahren im stationären Behandlungsprogramm ergänzt werden – beispielsweise Musiktherapie, Körperbezogene Therapien, Gestalttherapie, Psychodrama u.a.

Teilstationäre Psychotherapie

In Tageskliniken z.B. ist auch eine teilstationäre psychotherapeutische Behandlung möglich, die einerseits das tägliche therapeutische Angebot einer Klinik bietet und es andererseits dem Patienten ermöglicht, abends in seine gewohnte Umgebung zurückzukehren und seinem Alltag und seinen sozialen Beziehungen verbunden zu bleiben.

Beratungsstellen

Das psychosoziale Angebot kann jeder nutzen, dem seine Alltagskonflikte über den Kopf wachsen. Es richtet sich ausdrücklich nicht ausschließlich an psychisch Kranke, sondern auch an Menschen in normalen Lebenskrisen und Problemsituationen. Link „was bieten Beratungsstellen“

Ambulante Psychotherapie

In Rheinland Pfalz arbeiten etwa 700 psychologische Psychotherapeutinnen in niedergelassenen Praxen. Der Bedarf ist jedoch so hoch, dass es bei der krankenkassenfinanzierten Psychotherapie zu Wartezeiten zwischen drei bis neun Monaten kommt. Gerade für behandlungsbedürftige Kinder und Jugendliche ist eine derartige Wartezeit schwer zu überbrücken. An dieser Stelle sei auf die Möglichkeit verwiesen, dass man bei einer unzumutbaren Wartezeit auch eine Psychotherapie bei einer nicht kassenzugelassenen Psychotherapeutin beantragen kann. Grundsätzlich gilt: „Eine ambulante Therapie ist häufig angezeigt, wenn die psychische Problematik nicht so schwerwiegend ist, dass der Patient etwa nicht mehr in der Lage wäre, seiner Arbeit nachzugehen, wenn eine Unterbrechung des aktuellen sozialen Netzwerkes womöglich mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen würde, oder wenn der Patient soviel Unterstützung durch sein soziales Umfeld und soviel Bestätigung durch seine gewohnten Tätigkeiten und Einbindungen erhält, dass eine Unterbrechung kontraproduktiv wäre. Auch ist eine ambulante Behandlung angezeigt, wenn gute psychosoziale Ressourcen des Patienten grundsätzlich gegeben sind und er die Therapiefortschritte unmittelbar in ihren Auswirkungen in seinem sozialen Umfeld überprüfen kann.“ (www.uni-düsseldorf.de: Ambulante oder stationäre Psychotherapie?)

Was bieten Beratungsstellen?

Bei Konflikten und Krisen, z.B. in Lebenskrisen, bei Partnerschafts- und Erziehungsproblemen kann es sinnvoll sein, die Kompetenz einer in einer psychosozialen Beratungsstelle arbeitenden Psychotherapeutin in Anspruch zu nehmen.

Diese bieten Hilfen, um Lebenssituationen zu meistern, denen ein Mensch manchmal nicht mehr alleine gewachsen ist. Meist haben sie sich spezialisiert und richten sich an bestimmte Personen wie:

  • Kinder, Jugendliche und Eltern,
  • Ehen und Familien,
  • chronisch Kranke,
  • Frauen;

oder sie haben spezielle Schwerpunkte wie:

  • Schwangerschaft,
  • Sexualität,
  • Sucht.

In psychosozialen Beratungsstellen arbeiten sowohl Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagoginnen als auch Psychotherapeutinnen. Getragen werden diese Einrichtungen von Städten und Gemeinden oder Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Vereinen. Die Beratung ist meist kostenlos.

Das psychosoziale Angebot kann jeder nutzen, dem seine Alltagskonflikte über den Kopf wachsen. Es richtet sich ausdrücklich nicht ausschließlich an psychisch Kranke, sondern auch an Menschen in normalen Lebenskrisen und Problemsituationen.

Im örtlichen Telefonbuch, der Tageszeitung oder im Internet finden sich die Adressen dieser Beratungsstellen meist unter dem Stichwort "Beratung"

Wie finde ich das richtige Krankenhaus für meine psychische Störung?

In Deutschland lassen sich jährlich über eine Million Menschen aufgrund einer psychischen Erkrankung in einem Krankenhaus behandeln. Behandlungskon­zepte und -qualität unterscheiden sich in den verschiedenen Kliniken erheblich. Die Bundespsychotherapeutenkammer hat deshalb eine "Checkliste für Psychiatrie und Psychosomatik" herausgegeben, die als Patient oder Patientin hilft, das für Sie richtige Krankenhaus für Ihre psychische Erkrankung zu finden. Mit den Checkliste-Fragen können Sie wichtige Informationen beim ersten Kontakt mit einem psychiatrischen oder psychosomatischen Krankenhaus erhalten.

Checkliste für Psychiatrie und Psychosomatik

Hier finden Sie noch einige nützliche Informationen zu Psychotherapeutenbewertungsportalen:

Das gute Psychotherapeutenbewertungsportal...

  • erfüllt Anforderungen gemäß Telemediengesetz (siehe Erläuterungen);
  • enthält ein Impressum, das Aufschluss über die Identität des Betreibers gibt, eine Mail-Adresse ist angegeben;
  • verzeichnet das Datum der letzten Aktualisierung der enthaltenen Psychotherapeuteneinträge;
  • beinhaltet eine Datenschutzerklärung, die den Umgang mit personenbezogenen Nutzerdaten und die Voraussetzungen für deren Löschung und Weitergabe darlegt;
  • legt die Finanzierung offen;
  • trennt Werbund und Inhalt;
  • verfügt über eine personenbezogene Psychotherapeutensuche;
  • hat ein verständliches Bewertungsverfahren;
  • weist darauf hin, dass Bewertungen allenfalls Einschätzungen zu einzelnen Aspekten der Versorgung und Betreuung durch Psychotherapeut beziehungsweise Praxispersonal geben können;
  • stellt sicher, dass Einträge in Freitextfeldern redaktionell zu festgelegten Zeiten geprüft werden;
  • räumt betroffenen Psychotherapeuten die Möglichkeit zu Gegendarstellung und/oder Widerspruch ein;
  • bietet Schutz gegen Täuschungsmanöver und Schmähkritik.

Die Qualitätsanforderungen für Arzt- und Psychotherapeutenbewertungsportale sind auch auf der Internetseite des Ärztlichen Zentrums für Qaulität in der Medizin (ÄZQ) abrufbar.

Wie sieht eine ambulante psychotherapeutische Behandlung aus?

Die Suche

Wenn Sie sich für eine Psychotherapie entschieden haben, können Sie sich direkt an eine niedergelassene Psychotherapeutin wenden. Sie benötigt keine Überweisung von einem Arzt.

Eine Psychotherapeutin ist eine Person, der Sie sehr viel Persönliches berichten werden. Deshalb fragen viele Patienten auch im Freundes- und Bekanntenkreis nach, welche Erfahrungen andere mit Psychotherapeutinnen macht haben und ob sie jemanden empfehlen können. Mehr noch als bei einem Arzt möchten die meisten Patienten sicher gehen, dass sie in guten Händen sind. Letztlich führt allerdings nichts daran vorbei, eine Psychotherapeutin anzurufen, einen Termin auszumachen und sie persönlich kennen zu lernen.

Das erste Gespräch

Sie haben mit einer Psychotherapeutin telefoniert und ein erstes Gespräch vereinbart. Sie sind gespannt, wer Ihnen die Tür öffnen und begegnen wird. Sie sind vielleicht froh, eine Psychotherapeutin gefunden zu haben, die überhaupt Zeit hat, sie zu behandeln. Ihre Erleichterung darüber, eine Expertin für psychische Leiden gefunden zu haben, sollte Sie jedoch nicht unkritisch machen. Die Psychotherapeutin, die Sie kennen lernen, sollte zu Ihnen passen. Eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihrer Psychotherapeutin ist eine wichtige Basis für den Erfolg der Behandlung.

Diese Entscheidung für oder gegen eine Psychotherapeutin können Sie ruhig aus dem Bauch heraus treffen, aber Sie sollten sie treffen. Es ist eine sehr wichtige Entscheidung des ersten Gesprächs. Wenn Sie sich noch unsicher sind, können Sie aber auch noch weitere Sitzungen bei dieser Psychotherapeutin oder einen Termin bei einem anderen in Anspruch nehmen.

Während der ersten Behandlungsstunden ist es auch sinnvoll, eine Reihe von sachlichen Fragen zu klären, beispielsweise:

  • Ist die Psychotherapeutin berechtigt, mit der Krankenkasse abzurechnen?
  • Welche Kosten habe ich zu tragen?
  • Wie sehen die einzelnen Behandlungsstunden ("Sitzungen") aus?
  • Was ist, wenn Termine vom Patienten abgesagt werden müssen ("Ausfallstunden")?
  • Welche Ausbildung und therapeutische Orientierung hat die Psychotherapeutin?
  • Welche Erfahrungen hat die Psychotherapeutin in der Behandlung der vorliegenden Störungen?
  • Welche Behandlungsalternativen gibt es?
  • Wie erfolgreich kann die Behandlung sein?

Normalerweise übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das erste Gespräch und bis zu vier weitere Gesprächstermine je 50 Minuten (bei der analytischen Psychotherapie bis zur achten Sitzung). Damit soll Ihnen ausdrücklich Gelegenheit gegeben werden, die richtige Psychotherapeutin zu finden. Diese Sitzungen werden deshalb auch "probatorische Sitzungen" (Probesitzungen) genannt. Ab der sechsten Sitzung (bzw. bei der analytischen Psychotherapie ab der neunten Sitzung) ist die Psychotherapie eine antragspflichtige Leistung.

Die Dauer einer Psychotherapie kann sehr unterschiedlich sein. Manche Patienten benötigen nur wenige Behandlungsstunden, andere sind über mehrere Jahre mehrmals wöchentlich in Behandlung. Das richtet sich nach der Schwere der psychischen Störung und der Psychotherapierichtung.

Im Verlauf des ersten Gesprächs hat die Psychotherapeutin einige Fragen an Sie. Sie möchte sich ein Bild von Ihnen machen?

  • Unter welchen Symptomen leiden Sie?
  • Wann haben die Beschwerden angefangen?
  • Zu welchen Problemen führen die Beschwerden in Ihrem Lebensalltag?
  • Wie reagieren Familienmitglieder oder Freunde?
  • Was haben Sie bisher unternommen, um mit Ihren Gefühlen und Problemen besser klar zu kommen?
  • Was erhoffen Sie sich von einer Psychotherapie?

Die Psychotherapeutin klärt insbesondere, ob er eine Psychotherapie für notwendig hält und, wenn ja, welche. Er überzeugt sich beispielsweise davon, dass Sie tatsächlich eine Psychotherapie wollen. Das hört sich vielleicht etwas merkwürdig an, schließlich sitzen Sie doch gerade in der Praxis einer Psychotherapeutin, weil sie seine professionelle Hilfe möchten. Doch die Psychotherapeutin muss anfangs prüfen, ob sie wirklich bereit sind, an sich zu arbeiten.

Eine Psychotherapie ist nämlich nicht immer angenehm. Eine Psychotherapie kann auch Phasen haben, die sehr anstrengend sind. Für jeden Menschen ist es weit schwieriger, als er gewöhnlich glaubt, etwas an seinen Gefühlen und Verhalten zu ändern. Eine Psychotherapie hat aber genau das zum Ziel. Ein Patient sollte sich deshalb beispielsweise nicht zu einer Psychotherapie entschließen, nur weil andere ihm dazu geraten haben.

Für eine erfolgreiche Psychotherapie ist es vielmehr notwendig, dass der Patient selbst davon überzeugt ist, dass diese Behandlung notwendig ist. Wenn ein Patient eine Psychotherapie nicht aus sich heraus will, dann kann ihm auch eine noch so gute Psychotherapeutin nur schwer helfen. Prüfen Sie deshalb nach dem ersten Gespräch noch einmal:

Wollen Sie eine Psychotherapie beginnen? Ist die Psychotherapeutin, die Sie kennen gelernt haben, für Sie die richtige?

Wenn Sie sich noch unschlüssig sind, bitten Sie um etwas Zeit, um noch einmal in Ruhe darüber nachdenken zu können. Sie können sich auch erst nach ein paar Tagen entscheiden. Oder warten Sie eine weitere Sitzung ab. Oder nutzen Sie die Möglichkeit, noch andere Psychotherapeutinnen aufzusuchen. Manchmal drängen die eigenen dramatischen Gefühle, möglichst schnell jede Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist sehr verständlich. Je sorgfältiger sie aber in dieser Phase vorgehen, desto größer ist die Chance, dass die Behandlung erfolgreich ist.

Die Psychotherapie

Haben sich Patient und Psychotherapeutin kennen gelernt und haben sich beide, spätestens nach Ablauf der Probesitzungen, für eine psychotherapeutische Behandlung entschieden, geht es los. Dafür sollte dann auch der Bescheid der Krankenkasse vorliegen.

Eine psychotherapeutische Behandlung lässt sich in verschiedene Phasen einteilen, die je nach Psychotherapieverfahren unterschiedlich lang dauern und spezifisch ausgestaltet werden.

In der ersten Arbeitsphase versucht die Psychotherapeutin in der Regel dafür zu sorgen, dass Sie die Gespräche als angenehm und entlastend empfinden. Es geht darum, dass Sie ihre Erkrankung besser verstehen, eine genauere Vorstellung davon bekommen, was in der Behandlung passieren wird und dass Sie eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihrer Psychotherapeutin entwickeln. Sie verständigen sich mit der Psychotherapeutin auf die Ziele, die sie beide durch die Psychotherapie erreichen wollen. Darüber hinaus sorgt die Psychotherapeutin anfangs dafür, dass sie sich emotional entlastet fühlen und sie die akut drängenden Probleme und Beschwerden besser bewältigen können.

Sie werden dabei vielleicht feststellen, dass es Ihnen nicht leicht fällt, über Ihre Gefühle, Ängste oder Depressionen frei zu sprechen. Gleichzeitig werden Sie bemerken, dass Sie selbst die Entscheidung, eine Psychotherapie zu machen, immer noch einmal überprüfen. Sie spüren, dass es ernst wird und Sie Ihre Beschwerden und Probleme nur loswerden, wenn Sie vor allem an sich selber arbeiten. Eine Grippe mag von alleine vorüber gehen, ein Beinbruch kann geschient werden. Doch es ist viel schwieriger, keine Angst mehr zu haben oder sich nicht dauernd mit niederdrückenden Gedanken zu beschäftigen oder keinen Alkohol mehr zu trinken. Psychische Störungen lassen sich nicht einfach so abschütteln, sondern haben häufig eine Eigendynamik, die sie aufrecht erhält oder gar verschlimmert. Wenn sie von einem psychischen Leiden genesen wollen, sind Sie persönlich gefordert und müssen mitunter ungewohnte Wege gehen.

In der mittleren Phase der Psychotherapie, welche den größten Teil der Behandlung ausmacht, geht es darum, sich mit Ihren konkreten Problemen auseinander zu setzen und neue Wege zu finden, sie zu bewältigen. Sie probieren ungewohnte Verhaltensweisen aus und machen neue Erfahrungen. Sie verstehen Ihre Probleme besser und lernen Ihre "typischen Muster" zu erkennen. Vielleicht trauern sie auch um erlittene Verluste und Veränderungen oder es gelingt Ihnen, unterdrückte Gefühle zuzulassen, ihnen Ausdruck zu verleihen und eine Richtung zu geben.

Die Schwerpunkte und Inhalte der Psychotherapie werden individuell sehr verschieden sein, je nachdem, was Sie erlebt haben, welche Lösungsstrategien Sie bisher entwickelt haben, welche Fähigkeiten Sie mitbringen und welche Herangehensweise Ihnen entspricht. Darüber favorisieren die verschiedenen Psychotherapieverfahren unterschiedliche Herangehensweisen. Schauen Sie auch da am besten im Vorfeld, was Ihnen entspricht und was Ihnen für Ihre Probleme Erfolg versprechend erscheint.

In der letzten Phase der Psychotherapie geht es darum, Sie auf die weitere Zukunft vorzubereiten. Die Fragen, die sich jetzt stellen, sind beispielsweise:

  • Welches sind Ihre Ziele für Ihre weitere Entwicklung?

  • Was werden Sie tun, um das Erreichte zu bewahren und sich Ihren längerfristigen Zielen weiter anzunähern?

  • Was können Sie tun, wenn Ihre Beschwerden wieder auftreten oder sich verschärfen?

Der Abschluss einer Psychotherapie bedeutet aber auch immer einen Abschied. Sie werden sich dabei vielleicht an frühere Abschiede in Ihrem Leben erinnern. Es kann sinnvoll sein, diesem Thema in den letzten Sitzungen seinen Raum zu geben und sich mit den damit verbundenen Gefühlen und früheren Erlebnissen auseinander zu setzen.

Die Beendigung der Psychotherapie

Sie können jede Psychotherapie zu jeder Zeit beenden. Sie können eine Behandlung abbrechen, wenn Sie länger unzufrieden sind und grundlegend am Erfolg zweifeln. Die Länge einer Psychotherapie hängt nicht von der Zahl der Stunden ab, die die Krankenkasse genehmigt hat. Professionelle Psychotherapeutinnen respektieren Ihre Entscheidung.

Sie können eine Behandlung aber auch verlängern, wenn Sie und Ihre Psychotherapeutin meinen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind, aber noch nicht an dessen Ende. Dafür ist ein fachlich begründeter Verlängerungsantrag an die Krankenkasse notwendig.

Beraten Sie sich mit Ihrer Psychotherapeutin. Eine Psychotherapie kann beispielsweise erfolgreich sein,

  • wenn Sie sich am Ende spürbar besser fühlen,
  • wenn Sie Ihren belastenden Gefühlen nicht mehr ausgeliefert sind,
  • wenn Sie besser erkennen können, was gerade in Ihnen passiert.

Eine Psychotherapie schafft jedoch nicht alle Probleme aus der Welt. Das Leben wird auch danach weiter auf und ab gehen. Daran kann auch die Psychotherapie leider nichts ändern. Ein Unterschied wird Ihnen aber womöglich auffallen. Dieses Rauf und Runter macht ihnen dann nicht mehr so viel aus. Sie registrieren negative Veränderungen früher und sind eher in der Lage, sie aktiv entgegen zu steuern. Vielleicht erleben Sie dieses Auf und Ab jetzt auch als das Salz in der Suppe.

Was zahlen die Krankenkassen?

Die Gesetzliche Krankenversicherung

Psychotherapie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, auf die jeder Versicherte, wie bei anderen medizinischen Behandlungen auch, einen Anspruch hat. Nicht alle Psychotherapeutinnen können allerdings mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abrechnen. Dafür müssen sie bestimmte Qualifikationen erfüllen. Sie müssen:

  • approbiert sein,
  • von einer "Kassenärztlichen Vereinigung" in der Bedarfsplanung zugelassen sein
  • und ein psychotherapeutisches Verfahren anwenden, das sozialrechtlich zugelassen ist ("Richtlinienverfahren").

In besonderen Fällen wie z.B. in unterversorgten Gebieten erstatten Krankenkassen gemäß SGB 5 § 13 auf Antrag der Versicherten auch die Kosten für eine notwendige, unaufschiebbare Leistung, die dann auch von entsprechend qualifizierten Behandlern ohne Kassenzulassung erbracht werden können.

Derzeit sind drei Psychotherapieverfahren zugelassen:

  • die analytische Psychotherapie,
  • die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie,
  • die Verhaltenstherapie.

Ein Patient klärt möglichst gleich beim ersten Kontakt mit einem Psychotherapeuten, ob eine Abrechnung mit einer gesetzlichen Krankenkasse möglich ist.

Der Antrag an die Krankenkasse

Eine Psychotherapie ist antragspflichtig. Für diese Behandlung brauchen Sie nach den Probesitzungen, in denen Patient und Psychotherapeutin sich kennen gelernt haben, die ausdrückliche Genehmigung der Krankenkasse.

Damit die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen, muss vor Beginn der eigentlichen Behandlung ein Antrag eingereicht und genehmigt werden. Das entsprechende Formular sowie weitere Informationen hat die Psychotherapeutin. Meist übernimmt die Psychotherapeutin für Sie die meisten dieser verwaltungstechnischen Angelegenheiten und Sie brauchen das Formular nur noch durchzulesen und zu unterschreiben, damit Sie über den Antrag informiert sind. Wichtig ist jedoch, dass Sie ihre Krankenversicherungskarte dabei haben.

Für die Krankenkassen ist entscheidend, dass eine psychische Störung mit "Krankheitswert" vorliegt. Sie bezahlen nicht die Behandlung alltäglicher Gefühlsschwankungen, sondern nur spezifische psychische Störungen, unter denen die Patienten leiden. Deshalb lassen die Kassen den Antrag über einen schweigepflichtigen Gutachter prüfen, insbesondere hinsichtlich der Begründung der Psychotherapeutin, warum er eine Behandlung für notwendig hält und welche Behandlungsschritte er für angebracht hält. Stimmt der Gutachter zu, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine bestimmte Anzahl von Sitzungen. Je nach Psychotherapieverfahren und je nachdem, ob die Behandlung als Kurz- oder Langzeittherapie beantragt wurde, bewilligt die Krankenkasse sehr unterschiedliche Stundenkontingente. Eine Psychotherapie kann auch verlängert werden. Auch dafür ist wiederum ein Antrag nötig.

Die gesetzlichen Krankenkassen können einen Antrag ablehnen. Gegen einen ablehnenden Bescheid kann der Versicherte Widerspruch einlegen. Wird auch der Widerspruch abgelehnt, kann der Versicherte Klage beim Sozialgericht einreichen, die für jeden kostenlos ist.

Die Kostenerstattung

Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, sollten die Versicherten folgende Punkte beachten:

  • Rufen Sie zunächst die Psychotherapeuten mit Kassenzulassung in der Nähe ihres Wohnortes an und fragen nach einem freien Behandlungsplatz. Eine Liste der zugelassenen Psychotherapeuten gibt es bei den Kassenärztlichen Vereinigungen.

  • Erhalten Sie rechtzeitig einen Termin, nehmen Sie ihn wahr. Wartezeiten über drei Monate gelten grundsätzlich als nicht zumutbar. Die BPtK fordert, die Wartezeiten bei niedergelassenen Psychotherapeuten auf drei Wochen zu verkürzen. Wer schwer psychisch krank ist, kann keine drei Monate auf eine Behandlung warten.

  • Entscheidend ist, dass Sie nachweisen können, dass rechtzeitig keine Behandlung bei den zugelassenen Psychotherapeuten möglich ist. Notieren Sie deshalb Datum und Uhrzeit Ihrer Anfrage sowie ggf. wann Ihnen der erste Termin in Aussicht gestellt wurde. Sie sollten deshalb bei möglichst vielen Psychotherapeuten anfragen.

  • Teilen Sie Ihrer Krankenkasse mit, dass Sie bei den zugelassenen Psychotherapeuten rechtzeitig keinen Termin erhalten haben. Legen Sie die Übersicht Ihrer Anfragen Ihrem Schreiben bei und bitten Sie die Krankenkasse, Ihnen innerhalb einer
    angemessenen Frist (z. B. einer Woche) einen Psychotherapeuten zu nennen, bei dem Sie kurzfristig in der Nähe Ihres Wohnortes einen Termin erhalten.

  • Suchen Sie sich nach Ablauf dieser Frist einen approbierten Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung. Ein approbierter Psychotherapeut ist daran zu erkennen, dass er sich entweder Psychologischer Psychotherapeut oder Kinder- und Jugendlichen­
    psychotherapeut nennen darf. Lassen Sie sich von diesem Psychotherapeuten schriftlich bestätigen, dass eine Behandlung notwendig ist und dass bei ihm kurzfristig ein freier Behandlungsplatz verfügbar ist.

  • Beantragen Sie dann, dass Ihre Krankenkasse der Behandlung durch diesen Psychotherapeuten zustimmt und Ihnen die dafür notwendigen Kosten nach § 13 Absatz 3 SGB V erstattet. Beantragen Sie nicht generell die Kostenerstattung anstelle von
    Sachleistungen nach § 13 Absatz 2. Ein ausreichendes Versorgungsangebot vorausgesetzt, ist es für Versicherte einfacher, wenn ihre Ärzte bzw. Psychotherapeuten mit den Krankenkassen abrechnen (Sachleistung).

  • Hier ist der Link zu einem Ratgeber der BPtK zum Thema Kostenerstattung.

Die Private Krankenversicherung

Die Leistungen der privaten Krankenversicherung sind nicht einheitlich geregelt. Entscheidend ist, was der Versicherte und seine Versicherung vertraglich vereinbart haben. Manchmal übernehmen private Krankenversicherungen auch Kosten von Psychotherapeutinnen, die über das, was die gesetzlichen Krankenkassen zahlen, hinausgehen. Leider auch manchmal weniger. In jedem Fall ist es ratsam, sich vor Behandlungsbeginn die Kostenübernahme schriftlich bestätigen zu lassen.

Die Beihilfe
Als Beamter oder Angestellter des öffentlichen Dienstes übernimmt die Beihilfe die Kosten für die Behandlung durch eine zugelassene Psychotherapeutin. Im Allgemeinen übernimmt die Beihilfe etwa 50 % der Kosten. In jedem Fall ist es ratsam, sich vor Behandlungsbeginn die Kostenübernahme schriftlich bestätigen zu lassen.

Selbstzahler
Patienten, die die Kosten für eine Psychotherapie selbst tragen, werden meist wie Privatversicherte behandelt. Da die Art, die Dauer und die Kosten der Behandlung nicht staatlich geregelt sind, ist es ratsam, hierüber vor Beginn der Behandlung klare, möglichst schriftliche Absprachen zu treffen.

Das Sozialamt
Patienten, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, können eine Psychotherapie auch beim Sozialamt beantragen.

Welche psychischen Störungen gibt es?

Auf eine in Einzelheiten gehenden Auflistung psychischer Störungen musste hier wegen des Umfangs verzichtet werden. Eine Aufstellung psychischer Krankheiten finden Sie auf der Internetseite der BundesPsychotherapeutenKammer.