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Psychotherapeutische Verfahren

Die Psychoanalyse

Die analytische Psychotherapie steht in der Tradition der klassischen Psychoanalyse. Sie geht davon aus, dass persönliche Lebenserfahrungen und vor allem deren konflikthafte unbewusste Verarbeitung psychische Erkrankungen mit verursachen oder aufrechterhalten können. Unsere Lebenserfahrungen werden insbesondere durch die Beziehungen zu anderen Menschen geprägt, wobei vor allem die ersten Lebensjahre formend sind. Verinnerlicht und unbewusst geworden, beeinflussen sie das Bild eines Menschen von sich selbst und anderen Menschen sowie die Grundeinstellung zu sich selbst und anderen. Weiterhin können sich die mit heftigen und psychisch schwer zu verarbeitenden Erlebnissen verbundenen Gefühle, wie Angst, Scham und Aggression, unbewusst auf die Lebens- und Beziehungsgestaltung auswirken. Im weiteren Leben entstehen hieraus bevorzugte Erlebnis- und Verhaltensmuster, die unbewusst unser Fühlen, Denken und Handeln beeinflussen. Führen die Lebenserfahrungen zu unbewussten Konflikten, können daraus psychische und körperliche Beschwerden entstehen. In der analytischen Psychotherapie stehen diese Lebenserfahrungen und deren Folgen und Verarbeitungen in der Gegenwart im Zentrum der Behandlung.

Analytische Psychotherapeuten unterstützen Sie, sich dieser unbewussten Prozesse bewusst zu werden und damit Unverständliches dem bewussten Erleben zugänglich zu machen. Sie lassen Sie beschreiben, was Ihnen durch den Kopf geht und wie Sie sich innerlich fühlen, ohne das Gesagte zu bewerten oder zu beurteilen. Sie achten nicht nur darauf, was Sie mitteilen, sondern auch darauf, wie Sie mit sich und Ihrer Psychotherapeutin beziehungsweise Ihrem Psychotherapeuten umgehen. Im Behandlungsverlauf ergibt sich eine Art Muster, welches erkennen lässt, wie Sie unbewusst mit sich und anderen Menschen umgehen. Außerdem wird geklärt, ob dieser Umgang, der in früheren Situationen sinnvoll war, dem gegenwärtigen Leben angemessen ist oder fortdauert und zu unangemessenem Erleben und Verhalten oder zu Krankheitssymptomen führt.

Während der Therapie können Sie ein vertieftes Verständnis für sich selbst und Ihren Umgang mit anderen Menschen entwickeln, um aus diesen Erfahrungen lernen zu können und Auswege aus den sich wiederholenden seelischen Sackgassen zu finden. Während einer analytischen Psychotherapie liegen Sie in der Regel auf einer Couch und haben keinen Blickkontakt zur Psychotherapeutin beziehungsweise zum Psychotherapeuten. Das hat den Vorteil, dass Sie in Ihren Gedanken und Gefühlen freier sind und sich mehr Ihrer inneren Welt, den Gedanken, Gefühlen und inneren Bildern zuwenden können. Die analytische Psychotherapie ist eine Langzeittherapie und dauert zwei oder mehr Jahre. Sie vereinbaren mit Ihrer Psychotherapeutin beziehungsweise Ihrem Psychotherapeuten in der Regel drei oder auch zwei Therapiesitzungen pro Woche.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie geht wie die analytische Psychotherapie davon aus, dass wir unser Leben nicht nur mittels unseres Willens gestalten, sondern dass alles, was wir fühlen, denken und entscheiden, auch von unbewussten psychischen Einflüssen abhängt. Zu diesen Faktoren, die wir nicht wahrnehmen und beeinflussen können, gehören insbesondere innere Konflikte, die das spätere Leben besonders bestimmen, wenn sie schon in den ersten Lebensjahren auftraten. Schon ein Kind etwa erlebt den normalen menschlichen Konflikt zwischen dem Wunsch, einerseits unabhängig und selbstständig und anderseits geborgen und aufgehoben zu sein. Manchmal kann ein Kind einen solchen Konflikt nicht lösen, weil es befürchtet, zum Beispiel Mutter oder Vater zu verlieren. Dann wird der unerträgliche Konflikt verdrängt und ins Unbewusste verschoben, um sich vor ihm zu schützen. Von dort beeinflusst er aber weiterhin unser Fühlen und Denken und vor allem unsere Beziehungen zu anderen Menschen. In einer späteren Lebensphase, wenn wir zum Beispiel eine schmerzliche Trennung erleben, können diese früheren unbewussten Konflikte unser Fühlen und Verhalten erneut stark belasten und uns sogar psychisch krank machen.

Eine weitere Ursache für psychische Erkrankungen sieht die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie zum Beispiel in schwerer Vernachlässigung, Gewalterfahrungen oder emotionaler Kälte während der ersten Lebensjahre. Unter solchen ungünstigen Lebensbedingungen entwickeln Menschen nicht oder nur eingeschränkt die Fähigkeit, sich ein Bild von sich selbst und von anderen Menschen mit allen positiven und negativen Eigenschaften zu machen, stabile Beziehungen zu leben und das eigene Verhalten zu steuern und sich in andere Menschen hineinzuversetzen.

Unbewusste Konflikte bestimmen auch die Beziehung zur Psychotherapeutin beziehungsweise zum Psychotherapeuten. Tiefenpsychologisch arbeitende Psychotherapeuten helfen ihren Patienten, die unbewussten Faktoren ihrer psychischen Beschwerden herauszufinden. Zugleich unterstützen diese sie dabei, ihre Konflikte besser zu lösen, um ihnen auf diese Weise eine gesündere und weniger belastende Lebensgestaltung zu ermöglichen. Die Gespräche verlangen vom Patienten ein hohes Maß an Offenheit und Vertrauen in die Psychotherapeutin beziehungsweise den Psychotherapeuten.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie findet in Einzelgesprächen, in der Regel ein- bis zweimal pro Woche, oder in einer Gruppe statt. Dieses Behandlungsverfahren kann auch kreative Therapiemethoden (Kunst-, Musik- oder Körpertherapie) mit einschließen. Eine Therapie kann zwischen drei Monaten und zwei Jahren dauern.

Die Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie (VT) hat sich aus der Lerntheorie entwickelt. Daher ist der zentrale Grundgedanke noch heute, dass menschliches Verhalten erlernt wird und dass der Mensch während der gesamten Lebensspanne umlernen oder auch verlernen kann. D. h., störendes oder ungünstiges Verhalten kann zum Positiven korrigiert werden. Dies gilt nicht nur für Verhalten im engen Sinn, sondern auch für Gedanken und Gefühle oder körperliche Reaktionen. Ungünstige Verhaltensweisen – wie Ängste oder Süchte – werden als das Ergebnis entsprechender Lernprozesse gesehen.

Im Zentrum der Therapie steht, dass durch aktives Handeln am aktuellen Problem neue Erfahrungen gemacht werden sollen. Dazu wird das problematische Verhalten genau analysiert: wann und wie genau tritt es auf und welche Konsequenzen hat das Verhalten? Aufgrund der so gewonnenen Erkenntnisse sollen neue Verhaltensweisen ausprobiert und neue Gewohnheiten aufgebaut werden. Hierzu werden spezifische Methoden herangezogen wie Konfrontationen zur Angstbewältigung, Rollenspiele oder Selbstsicherheitstrainings. Ziel ist es, den Patienten in die Lage zu versetzen, nach der Therapie diese Strategien eigenständig anwenden zu können und damit auch kommende schwierige Situationen gut meistern zu können.

Die moderne kognitive Verhaltenstherapie umfasst sowohl gedankliche (z.B. Einstellungen) als auch verhaltensbezogene Techniken. Grundannahme ist, dass Gefühle und Verhaltensweisen ein direkter Ausdruck von Gedanken sind. Daher ist es ein wichtiger Teil der Therapie, irrationale, ungesunde und problematische Denkweisen, Lebensregeln und Pläne, die mit psychischen Problemen einhergehen, zu verändern.

Die Grundlage jeder Therapie ist die vertrauensvolle Beziehung und gute Zusammenarbeit zwischen Psychotherapeut und Patient. Um dies zu verwirklichen machen Verhaltenstherapeuten ihr Vorgehen für die Patienten transparent: alles, was in der Therapie geschieht, wird dem Patienten erklärt. Der Patient soll immer die Möglichkeit haben, nachzufragen, was der Sinn und Zweck einer Übung ist. Verhaltenstherapeuten sind der Auffassung, dass er nur so überzeugt mitarbeiten und eine langfrsitige Besserung erreichen wird.

Verhaltenstherapie kann sowohl mit Erwachsenen als auch mit Kindern oder Jugendlichen in Einzel- und Gruppentherapie durchgeführt werden. Durch die starke Konzentration der VT auf aktuelle Probleme und die Frage: „Was kann ich ab heute lernen, damit es mir bald besser geht?“ ergibt sich in der Regel eine kürzere Therapiedauer.

Die Gesprächspsychotherapie

Die Gesprächspsychotherapie, auch personzentrierter Ansatz genannt, geht davon aus, dass ein Mensch mit einer psychischen Symptomatik in seinem Entwicklungs- und Entfaltungsprozess gestört ist. Die Gesprächspsychotherapie ist in Folge dessen positiv in die Zukunft gerichtet, sie hilft den Menschen, wieder den Weg nach vorne zu gehen, wenn er ihnen versperrt ist.

Der Mensch hat von sich selbst bestimmte Vorstellungen, wie er ist und wie er sein möchte und entwickelt so ein Selbstkonzept. Aber nicht immer stimmen die tatsächlichen Erlebnisse und Handlungsweisen des Einzelnen mit seinem Selbstkonzept überein. Hier entstehen „Brüche“, die dem Menschen nicht als solche verstehbar sind. Über den Weg des wertfreien Verstehens, der Empathie benennt die Psychotherapeutin beim Patienten Erfahrungen, die der Patient nicht mit seinem Selbstkonzept vereinbaren kann. Und dadurch, dass der Psychotherapeut in der Lage ist, sich diesen abgelehnten Erfahrungen zuzuwenden und sie anzunehmen, hat auch der Patient die Möglichkeit, diese bisher abgelehnten Erfahrungen als seine Erfahrungen anzunehmen und ins Selbstkonzept zu integrieren. Eine der Besonderheiten des Verfahrens liegt in der Rückmeldung des vom Patienten ausgedrückten emotionalen Inhaltes seiner Aussagen ohne jede Verfälschung mit anderen Worten (aktives Zuhören; Empathie). Dadurch wird der Patient immer weiter in seine eigene Wahrnehmung geführt, oft bis an die Antworten, die er im Alltag nicht auszusprechen wagt oder derer er sich nicht gewahr werden kann. Durch das Schaffen einer vertrauensvollen Atmosphäre kann der Patient angstfrei und kreativ an der Lösung seiner eigenen Schwierigkeiten arbeiten.

Wesentlich für eine erfolgreiche Psychotherapie ist die Beziehung zwischen Patient und Psychotherapeutin: Die Beziehung ist von Wärme, Echtheit, Offenheit und Anteilnahme geprägt, ohne dass eine Bewertung stattfindet.

Spezielle Methoden der Gesprächspsychotherapie steuern den Psychotherapiekontakt aktiver und nutzen viele zusätzliche Befragungs- und Gesprächstechniken (z.B. Konfrontieren, Explizieren, Fragen stellen, Fazit ziehen usw.) oder Körperorientierungen wie Focusing. Focusing ist ein ganzheitliches Geschehen, das Körperempfindungen, Gefühle und Denken einschließt. Er ist ein körperlich spürbar ablaufender Prozess, bei dem sich aus den Körperempfindungen neue Sinngehalte ergeben und an dessen Ende ein neues Erleben entsteht, körperlich begleitet von Entspannung und Erleichterung.

Die Psychotherapie-Theorie ruht im Wesentlichen auf zwei Säulen: einer wissenschaftlich überprüften Aussage über wirkungsvolles Eingehen von Psychotherapeuten auf ihre Patienten und die Grundannahmen über die Natur des Menschen, das er ein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung hat und ein Bedürfnis nach bedingungsloser Wertschätzung.

Systemische Therapie

Systemtherapeuten versuchen, Probleme und psychische Krankheiten dadurch zu verstehen und zu verändern, dass sie die Beziehungen rund um Probleme und Krankheiten beleuchten. Das betrifft sowohl die frühen prägenden Beziehungen wie die jetzigen. Der Systemtheorie gemäß entstehen Probleme und Krankheiten nämlich immer im Umfeld von Beziehungen und schwierigen Beziehungserfahrungen. Oft geht es dabei am Ende um die Beziehung des Patienten zu sich oder seiner Krankheit selbst.

Ein weiteres Merkmal der Systemtherapie ist, dass sie auf Begriffe wie „gestört“ oder „krank“ als Bezeichnung von Personen oder Beziehungen verzichtet. Das liegt an ihrer Grundhaltung, dass jede Person und jedes System immer nur das entwickelt, was sie zur Gestaltung ihres Lebens vor dem Hintergrund ihrer Geschichte brauchen. Systemtherapeuten wollen das nicht von außen als krank bewerten.

Auf dieser Basis sind Systemtherapeuten immer „lösungsorientiert“: Sie untersuchen, wie eine Person, ein Paar oder eine Familie bisher versucht hat, ihre Probleme zu lösen und welche neuen, passenderen Lösungsmöglichkeiten gefunden und geübt werden können. Sogar in den negativen und problematischen Verhaltensweisen versucht die Systemtherapie, die offen oder verdeckt darin liegenden Fähigkeiten und Stärken zu erkennen und zu nutzen.

Die moderne Systemtherapie hat sich aus der „Familientherapie“ heraus entwickelt, ist mittlerweile über 50 Jahre alt und hat in dieser Zeit ein großes Arsenal hilfreicher Methoden entwickelt. Forschungen haben deren Nützlichkeit für viele Arten von Patienten bestätigt - sowohl in Einzel- wie in Paar- und Familientherapien. Systemtherapeuten haben ihre eigene, manchmal überraschende Art, Fragen zu stellen, Probleme zu erklären und sie zu lösen. Sie sind bestrebt, die Eigenkräfte ihrer Patienten zu fördern oder herauszufordern – in einer Mischung aus Ernst und Humor. Manchmal dehnen sie die mit den Patienten gemeinsam vorgenommene Problemanalyse bis in frühere Generationen hinein aus. Manchmal zentrieren sie sich ganz auf Lösungen in der Gegenwart. Ethisch fühlen sie sich zum Respekt vor der Autonomie und der Eigenverantwortung der von ihnen behandelten Personen und Systeme verpflichtet.
Die Systemtherapie ringt leider immer noch um ihre volle gesundheitspolitische Anerkennung in Deutschland. Sollten Sie eine systemische Psychotherapie beginnen wollen, sollten Sie mit Ihrem Therapeuten klären, ob eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich ist. Es gibt zahlreiche systemtherapeutische Ausbildungsinstitute und therapeutische sowie wissenschaftliche systemische Fachverbände. Seit Dezember 2008 ist sie vom Beirat wissenschaftlich anerkannt.