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Die neue PT-Richtlinie

Am 1. April 2017 tritt die vom Gemeinsamen Bundesausschuss geänderte Psychotherapie-Richtlinie in Kraft. Die Neuerungen haben erhebliche Auswirkungen auf die psychotherapeutische Praxis: So werden beispielsweise Sprechstunden eingeführt und Akutbehandlungen ermöglicht, zudem gibt es zahlreiche Änderungen beim Antrags- und Gutachterverfahren. Die wichtigsten Neuerungen haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Auf den Punkt gebracht: Was ändert sich durch die neue PT-Richtlinie?

Für wen und ab wann gilt die neue Psychotherapie-Richtlinie?

Die neue PT-Richtlinie gilt ab  dem 01. April 2017 für alle Vertragspsychotherapeuten.

Welches Ziel haben die Änderungen?

Die Änderungen der PT-Richtlinie sind eine Reaktion auf die gestiegene Bedeutung psychischer Erkrankungen und den Wandel der Versorgungslandschaft. Ziele der Reform sind unter anderem, den Patienten zeitnah einen niederschwelligen Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung zu bieten und das Angebot flexibler zu gestalten. Im Zuge dessen sollen  Antrags- und Gutachterverfahren entbürokratisiert und vereinfacht werden.

In welchen Bereichen gibt es Neuerungen ab dem 1. April 2017?

  • Einführung einer Psychotherapeutischen Sprechstunde
  • Vermittlung über Terminservicestellen
  • Akutbehandlung
  • Kurzzeittherapie
  • Langzeittherapie
  • Rezidivprophylaxe
  • Gruppentherapie

Was ist die Psychotherapeutische Sprechstunde?

Eine wesentliche Neuerung (§ 11 der PT-Richtlinie) ist, dass Patienten künftig vor Beginn einer probatischen Sitzung oder einer Akutbehandlung eine psychotherapeutische Sprechstunde mit einer Dauer von mindestens 50 Minuten wahrnehmen müssen. Davon ausgenommen sind Patienten, die bereits in einer (teil)stationären Einrichtung eine Empfehlung für ambulante Psychotherapie ausgesprochen bekamen.
Für die Sprechstunde ist eine Übergangsregelung vereinbart worden, so dass Patienten erst ab dem 1. April 2018 in einer Sprechstunde gewesen sein müssen, bevor sie weitere psychotherapeutische Behandlungen erhalten können.
In der Sprechstunde klärt der Psychotherapeut ab, ob ein Verdacht auf eine krankheitswertige psychische Krankheit vorliegt und der Patient eine Psychotherapie benötigt oder ob ihm mit anderen Unterstützungsangeboten geholfen werden kann. Der Patient soll über das für ihn beste Versorgungsangebot beraten werden. Dies entspricht im Wesentlichen der Sprechstunde bei Allgemeinmedizinern, in der abgeklärt wird, ob es sich um einen leichten Schnupfen, eine schwere Grippe oder eine bakterielle Sekundärinfektion handelt, wobei entsprechend weiter an Fachärzte verwiesen wird.
Psychotherapeuten mit einem ganzen Praxissitz müssen zukünftig Sprechstundentermine von in der Regel mindestens 100 Minuten pro Woche anbieten, mit einem hälftigen Versorgungsauftrag entsprechend 50 Minuten. Jeder Psychotherapeut kann selbst entscheiden, ob er die Sprechstunde offen oder mit Terminvergabe durchführt.

Wie läuft die Terminvergabe über Praxen und Terminservicestellen ab?

Damit die Terminvergabe auf direktem Wege erfolgen kann, sind Psychotherapiepraxen künftig verpflichtet, mindestens 200 Minuten (bei hälftigem Versorgungsauftrag 100 Minuten) pro Woche telefonisch erreichbar zu sein. Die Therapeuten müssen jedoch nicht persönlich am Hörer sitzen, die Vorschrift verlangt lediglich menschliche Ansprechpartner statt maschinelle Anrufbeantworter.
Die telefonischen Sprechzeiten müssen den kassenärztlichen Vereinigungen bis zum 1. April 2017 mitgeteilt werden. Wie die Sprechstunden  dürfen auch die telefonischen Sprechzeiten in Einheiten zu 25 Minuten aufgeteilt werden.

Künftig können Termine bei Psychotherapeuten auch über Terminservicestellen vermittelt werden. Die Patienten wenden sich in diesem Fall direkt an die Terminservicestelle, welche sich zur Aufgabe macht, innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin zu vermitteln. Hierfür gelten die Regelungen der Vereinbarung über die Einrichtung von Terminservicestellen und die Vermittlung von Facharztterminen (Anlage 28 zum BMT-Ä). Dem Patienten wird der mögliche Termin beim Therapeuten durch die Terminservicestelle mitgeteilt.

Wie sieht die Akutbehandlung aus?

Zukünftig soll es möglich sein, psychisch Kranken mit sofortigem Behandlungsbedarf unmittelbar und ohne vorheriges Antragsverfahren helfen zu können. Diese Neuregelung ist für Patienten gedacht, die rasch psychotherapeutische Hilfe benötigen und ohne diese möglicherweise schwer erkranken würden, nicht mehr arbeiten oder zur Schule gehen könnten oder in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssten.
Zukünftig dürfen Psychotherapeuten nach erfolgter Indikationsstellung in der Sprechstunde den Krankenkassen mitteilen, dass sie ab jetzt eine Akutbehandlung mit maximal 600 Minuten pro Patient und Jahr/Krankheitsfall durchführen (Anzeigepflicht). Der Beginn der Behandlung muss spätestens 14 Tage nach Indikationsstellung beginnen. Eine somatische Abklärung hat zu erfolgen, eine probatische Sitzung ist nicht erforderlich.
Wenn sich in der Sprechstunde oder während der Akutbehandlung abzeichnet, dass doch eine längere Therapie nötig wird, kann wie bisher ein Antrag auf Kurz- oder Langzeittherapie gestellt werden. Die bisher erfolgten Sitzungen der Akutbehandlung werden dann auf das genehmigte Gesamtkontingent angerechnet. Spätestens vor Beginn der antragspflichtigen Therapie sind mindestens zwei probatische Sitzungen durchzuführen.

Was ändert sich bei der Kurzzeittherapie?

Die Kurzzeittherapie (KZT) ist künftig in zwei Abschnitte zu zwölf Stunden unterteilt, statt wie bisher bis zu 25 Stunden am Stück. Jeder der beiden Abschnitte ist ab 1. April 2017 zwar noch antrags-, aber nicht mehr berichts- und gutachterpflichtig.

Was ändert sich bei der Langzeittherapie?

Für die Langzeittherapie (LZT) bleibt die Durchführung des Gutachterverfahrens weiterhin Pflicht, allerdings wird der Antrag deutlich verkürzt, z. B. fällt die biografische Anamnese künftig weg. Neu ist außerdem, dass die Krankenkassen selbst entscheiden dürfen, ob sie beim Verlängerungsantrag erneut ein Gutachterverfahren bemühen wollen oder ob sie ungeprüft die Höchstkontingente genehmigen. Eine Langzeittherapie kann direkt nach der Probatorik, nach der Akutbehandlung und nach mindestens acht Sitzungen der KZT 1 oder nach der KZT 2 beantragt werden, in den letzteren Fällen werden dann wie bisher die bereits erfolgten KZT-Sitzungen auf das LZT-Kontingent angerechnet (Umwandlung).

Was ändert sich bei der Rezidivprophylaxe?

Die Versorgung chronisch kranker Patienten soll optimiert und Rückfälle vermieden werden. Künftig darf bei einer LZT (aber nur da!) bei Antragsstellung angegeben werden, wie viele Stunden des bewilligten Gesamtkontingents nach Beendigung der eigentlichen Behandlung zur Rezidivprophylaxe eingesetzt werden. Bei einer LZT mit bis zu 59 Stunden können es maximal acht Sitzungen sein, bei einer LZT mit 60 oder mehr Stunden bis zu 16 Stunden.

Was ändert sich bei der Gruppentherapie?

Wie bei der Kurzzeittherapie entfällt das Gutachterverfahren auch für die Kurzzeitgruppentherapie, für Langzeittherapien muss dennoch weiterhin ein Antrag pro Person geschrieben werden
Die Gruppengrößen wurden vereinheitlicht. Nun gilt als Mindestteilnehmerzahl für alle Verfahren drei Patienten und als Maximalteilnehmerzahl neun Patienten. Wie bisher können die einmal genehmigten Kontingente beliebig zwischen Einzel- und Gruppentherapie umgerechnet werden, es genügt eine Anzeige bei der Krankenkasse.

Was ändert sich für Privatpraxen durch die neue PT-Richtlinie?

Aktuell kann niemand sagen, wie sich die Änderungen konkret auf den Alltag der Privatpraxen auswirken werden. Es ist jedoch zu vermuten, dass auch die Arbeit in den Privatpraxen durch die Änderungen beeinflusst wird. Dies sowohl hinsichtlich der Vergabepraxis durch die Krankenkassen als auch der tatsächlichen Durchführung und Abrechnung der psychotherapeutischen Behandlung. Die psychotherapeutische Sprechstunde ist zwar erst ab 01. April 2018 für die Patienten im Rahmen der Richtlinientherapie verpflichtend zu durchlaufen. Das Angebot der Sprechstunden durch zugelassene Psychotherapeuten ist jedoch schon ab dem 01. April 2017 Pflicht. Hinsichtlich des Umgangs der Krankenkassen mit der neuen PT-Richtlinie bestehen viele offene Fragen, die erst mit Umsetzung der Änderungen in die Praxis geklärt werden können.
Die LandesPsychotherapeutenKammer beobachtet die Situation weiterhin auch für die im Rahmen des Kostenerstattungsverfahrens tätigen Mitglieder. Sobald es weitergehende Informationen gibt, werden diese sofort an die Mitglieder weitergegeben.  

Wo bekomme ich weitere Informationen zur neuen PT-Richtlinie?

Die BPtK hat eine ausführliche Informationsbroschüre zur neuen PT-Richtlinie verfasst. Sie bietet neben kompakten Informationen für den Praxisalltag auch eine fachliche Bewertung der neuen Vorschriften. Zur Praxis-Info "Psychotherapie-Richtlinie" gelangen Sie hier.

Eine Mustersammlung PTV-Formulare finden Sie hier.


Informationsabend zur Neuen PT-Richtlinie

Am 8. März 2017 lud die LPK RLP zu einem Informationsabend zum Thema "Die neue PT-Richtlinie und die neuen sozialrechtlichen Befugnisse" ein. Das Interesse der Mitglieder war enorm und die Veranstaltung nach kurzer Zeit ausgebucht. Über 150 Teilnehmer fanden sich schließlich im ZDF-Konferenzzentrum in Mainz-Lerchenberg ein. [...]
Zum vollständigen Bericht über die Veranstaltung und zur Präsentation des Referenten Dieter Best gelangen Sie hier.