Systemtherapeuten versuchen, Probleme und psychische Krankheiten dadurch zu verstehen und zu verändern, dass sie die Beziehungen rund um Probleme und Krankheiten beleuchten. Das betrifft sowohl die frühen prägenden Beziehungen wie die jetzigen. Der Systemtheorie gemäß entstehen Probleme und Krankheiten nämlich immer im Umfeld von Beziehungen und schwierigen Beziehungserfahrungen. Oft geht es dabei am Ende um die Beziehung des Patienten zu sich oder seiner Krankheit selbst.
Ein weiteres Merkmal der Systemtherapie ist, dass sie auf Begriffe wie „gestört“ oder „krank“ als Bezeichnung von Personen oder Beziehungen verzichtet. Das liegt an ihrer Grundhaltung, dass jede Person und jedes System immer nur das entwickelt, was sie zur Gestaltung ihres Lebens vor dem Hintergrund ihrer Geschichte brauchen. Systemtherapeuten wollen das nicht von außen als krank bewerten. Auf dieser Basis sind Systemtherapeuten immer „lösungsorientiert“: Sie untersuchen, wie eine Person, ein Paar oder eine Familie bisher versucht hat, ihre Probleme zu lösen und welche neuen, passenderen Lösungsmöglichkeiten gefunden und geübt werden können. Sogar in den negativen und problematischen Verhaltensweisen versucht die Systemtherapie, die offen oder verdeckt darin liegenden Fähigkeiten und Stärken zu erkennen und zu nutzen.
Die moderne Systemtherapie hat sich aus der „Familientherapie“ heraus entwickelt, ist mittlerweile über 50 Jahre alt und hat in dieser Zeit ein großes Arsenal hilfreicher Methoden entwickelt. Forschungen haben deren Nützlichkeit für viele Arten von Patienten bestätigt - sowohl in Einzel- wie in Paar- und Familientherapien. Systemtherapeuten haben ihre eigene, manchmal überraschende Art, Fragen zu stellen, Probleme zu erklären und sie zu lösen. Sie sind bestrebt, die Eigenkräfte ihrer Patienten zu fördern oder herauszufordern – in einer Mischung aus Ernst und Humor. Manchmal dehnen sie die mit den Patienten gemeinsam vorgenommene Problemanalyse bis in frühere Generationen hinein aus. Manchmal zentrieren sie sich ganz auf Lösungen in der Gegenwart. Ethisch fühlen sie sich zum Respekt vor der Autonomie und der Eigenverantwortung der von ihnen behandelten Personen und Systeme verpflichtet. Die Systemtherapie ringt leider immer noch um ihre volle gesundheitspolitische Anerkennung in Deutschland. Sollten Sie eine systemische Psychotherapie beginnen wollen, sollten Sie mit Ihrem Therapeuten klären, ob eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich ist. Es gibt zahlreiche systemtherapeutische Ausbildungsinstitute und therapeutische sowie wissenschaftliche systemische Fachverbände. Seit Dezember 2008 ist sie vom Beirat wissenschaftlich anerkannt.