Nächtlicher Fluglärm: Risikofaktor für die Psyche Nächtlicher Fluglärm stellt eine psychische und körperliche Gesundheitsgefährdung dar.
Mainz: Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass Nachtfluglärm in besonderer Weise krank macht. Die Stresswirkung von Lärm ist nachts um ein Vielfaches stärker als am Tage. Für die Psyche ist der schädliche Einfluss von Lärm auf Schlafstörungen und Depression nachgewiesen.
Schlafstörungen nehmen in Deutschland massiv zu. Für die so genannte Insomnie, den nicht-erholsamen Schlaf, gibt es seelische, körperliche und Umwelt bedingte Ursachen. Lärm steht an vorderster Stelle. Von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung wird gesprochen, wenn die negativen Auswirkungen des unterbrochenen Schlafes am Tage zu spüren sind. Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungsminderungen sind die Hauptsymptome. Außerdem führt gestörter Schlaf zu seelischer Unausgeglichenheit, zu einer Zunahme von Reizbarkeit und Aggressivität sowie der Abnahme jener Fähigkeiten, mit denen wir ansonsten seelisch belastende Situationen besser zu bewältigen pflegen.
Lärm und seine Auswirkungen auf Kinder Kinder und Jugendliche leiden in besonderem Maße unter nächtlichem Fluglärm, da sie längere Schlafzeiten benötigen. Es wurden Gedächtnis- und Lerndefizite festgestellt. So besteht ein Risiko, dass Kinder schlechter lernen, zu lesen oder Probleme zu lösen.
Unsere Augen können wir schließen, unsere Ohren nicht Auch wenn Menschen schlafen, reagieren ihre Ohren, ihr Gehirn und ihr Körper trotzdem weiter auf Geräusche, wodurch sich schon vorhandene Gesundheitsprobleme verschärfen.
Psychische Gesundheit Nächtlicher Fluglärm bringt ein erhöhtes Risiko für den Gebrauch von Tranquillizern, Sedativa und Hypnotika mit sich. Bei Frauen ist das Erkrankungsrisiko für Depression deutlich erhöht.
Lärm ist ein als störend empfundenes Geräusch Psychotherapeuten können helfen, die Einstellung gegenüber Lärm zu ändern, um ihn als sinnvoll zu interpretieren. Dann mindert sich seine schädliche Wirkung. Die Landespsychotherapeutenkammer verzeichnet einen Zuwachs an behandlungsbedürftigen Schlafstörungen. Aber es ist besser, die Ursachen für eine Störung zu beseitigen, als deren Symptome zu lindern.
Gerade angesichts der aktuell angekündigten Flugroutenänderungen beim Ausbau des Frankfurter Flughafens, die für Mainz bedeuten, dass die Stadt bei Ost- und Westwind ständig überflogen wird, fordert die Landespsychotherapeutenkammer ein Nachtflugverbot. Weitere Informationen finden Sie u.a. http://www.ulrich-kelber.de/
Wir weisen auf folgende Petition hin: Der Deutsche Bundestag möge ein Nachtflugverbot an allen deutschen Flughäfen in der Zeit von 22 bis 06 Uhr beschließen, um die durch nächtlichen Fluglärm verursachte massive Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung zu beseitigen. Zur Unterzeichnung: epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=9902
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Vorstandsbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Gisela Borgmann-Schäfer, Tel: 0172-3959282 oder gisela.borgmann@web.de
Presseerklärung zum Jahresempfang der Wirtschaft am 28. Januar 2010
Psychische Gesundheit – ein Thema nicht nur in der Arbeitswelt
Bundesweit zählen psychische Erkrankungen, allen voran Angsterkrankungen und Depressionen sowie Alkohol- und andere Suchterkrankungen, zu den häufigsten Erkrankungen. In unserer Gesellschaft. leiden rund fünf Millionen Menschen an Depressionen. Die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben an einer Depression zu erkranken, ist mit 15 Prozent sehr hoch und die Krankheit beeinträchtigt die Betroffenen stark. Durch Stress am Arbeitsplatz und der Angst vor einem Jobverlust nehmen seelische Belastungen und daraus resultierende Erkrankungen zu. Die Konsequenzen der Globalisierung werden auch in Deutschland immer deutlicher spürbar. Konzerne und mittelständische Unternehmen verlagern in zunehmendem Maße Teile der Produktion ins Ausland. Aufgrund der fortschreitenden Deregulierung und Flexibilisierug des Arbeitsmarkts besonders in Zeiten wirtschaftlicher Krisen werden unsichere und prekäre Formen der Beschäftigung weiter zunehmen. Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist das Vertrauen in sichere Beschäftigungsperspektiven erschüttert. Dies hat gravierende Auswirkungen für die psychische Gesundheit von Beschäftigten und für das Klima in den Unternehmen.
Trotz insgesamt zurückgehender Krankenstände ist der Anteil an psychischen Beschwerden und Erkrankungen wie Depressionen, Angstzuständen oder Erschöpfungssymptomen als Grund für den Arbeitsausfall innerhalb von 10 Jahren um 45 Prozent gestiegen. Die Krankenkassen stellen fest, dass mindestens ca. jeder 10. Fehltag auf ein Seelenleiden zurückgeht. Auch bei den vorzeitigen Berentungen wächst der Anteil der psychischen Erkrankungen. Der Einfluss anderer Erkrankungen, vor allem der Kreislauf- sowie der Muskel- und Skeletterkrankungen, nimmt hingegen ab. Die Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV-Bund) bestätigt diesen Trend: Sie weist für die letzten Jahre bei den Neu-Empfängern der Erwerbsminderungsrente einen Anteil von über 30 Prozent für psychisch Erkrankte aus. Wie die „Global Burden of Disease Study 2000“ zeigt, sind rund 12 % der weltweiten und 20 % der europäischen Bevölkerung durch eine psychische Störung belastet. Die hierdurch verursachten Krankheitskosten hat das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem am 08. Januar 2010 veröffentlichten Bericht für die Bundesrepublik Deutschland mit rund 26,7 Milliarden Euro, das sind 11,3 %, errechnet. Damit liegen psychische Erkrankungen an dritter Stelle der Kostenskala. Besonders kostenintensiv waren unter den psychischen und Verhaltensstörungen die Demenzerkrankungen mit einem Anteil von 3,7 %. Zurzeit sind in Deutschland rund 1,0 Million Menschen von einer Demenz betroffen; darunter sind – vor allem infolge der höheren Lebenserwartung – zwei Drittel weiblich
Ausgeprägt waren auch die Kosten von Depressionen (2,0 %), weltweit eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie stellen für die betroffenen Personen eine hohe Krankheitsbelastung dar. Nach Schätzungen der Weltgesundheits-organisation WHO werden im Jahr 2020 lediglich durch die ischämische Herzkrankheit (Verkalkung der Herzkranzgefäße) noch mehr potenzielle Lebensjahre verloren gehen als durch Depressionen. Grundsätzlich können Depressionen in allen Altersgruppen auftreten. Das mittlere Erkrankungsalter liegt indes für Frauen bei 32 und für Männer bei 33 Jahren. Das bedeutet, dass diese Krankheit schon in erheblichem Umfang junge Menschen, die im Arbeitsprozess stehen, trifft und massive Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben kann. Solange eine Balance zwischen Belastungs- und Schutzfaktoren gewährleistet ist, können Kinder und Erwachsene auch mit den damit verbundenen schwierigen Herausforderungen umgehen, dies ist anhand der Forschungsergebnisse in einem hohen Prozentsatz aber nicht der Fall. Frühzeitige Psychotherapie leistet hier einen wichtigen Beitrag, auch bei der Prävention von massiven Erkrankungsfolgen. Jährlich begehen in Deutschland 11.000 Menschen Suizid, davon 70% Männer 30% Frauen. Bei 90 % liegen im Vorfeld eine oder mehrere psychische Störungen wie Depression, Suchterkrankung oder eine Psychose vor. Jährlich töten sich 30-40 Kinder in der BRD und von den Jugendlichen (15-20jährige) töten sich jährlich 300. Die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung können heute effektiv behandelt werden. Allerdings verhindern ein Nichterkennen der Erkrankung und lange Wartezeiten bis zur Aufnahme einer Behandlung wegen nicht ausreichender Therapieplätze, und – leider manchmal immer noch - die Angst vor einer Stigmatisierung häufig, dass gezielte Hilfe in Anspruch genommen wird.
Ansprechpartnerin : Gisela Borgmann-Schäfer Psychologische Psychotherapeutin Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Vorstandsbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz Wilhelm-Theodor-Römheld-Str. 30 55130 Mainz