Presseerklärung zum Jahresempfang der Wirtschaft am 28. Januar 2011
Modernisierung und Globalisierung – Strapazen für die Seele!
Der klassische Arbeitsschutz braucht Konzepte zur Vermeidung arbeitsbedingter psychischer Gesundheitsgefährdung. Der Wandel in der Arbeitswelt führt seit einigen Jahren zu einem deutlichen Anstieg der psychischen Störungen. Die Behandlung von psychischen Erkrankungen spielt in den deutschen Krankenhäusern und in der ambulanten Behandlung eine immer größere Rolle. Laut GEK-Gesundheitsreport entfielen im Jahr 2009 von allen krankheitsbedingten Fehltagen 17,6 Prozent auf die Psychischen und Verhaltensstörungen als zweithöchste Gruppe. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer betrug für Psychische und Verhaltensstörungen 40,5 Tage. Damit ist eine weitere Steigerung gegenüber den beiden Vorjahren (2008: 39,1 Tage, 2007: 35,3 Tage) zu verzeichnen.
Globalisierung und Modernisierung fordern von Arbeitgebern und Beschäftigten zunehmende Flexibilität, permanente Bereitschaft zur Aktivität, ständige Mobilität: insgesamt die Bereitschaft, den eigenen Lebensrhythmus den arbeitsorganisatorischen Anforderungen unterzuordnen. Dies betrifft durchaus nicht nur untergeordnet Tätige sondern häufig auch Mitarbeiter mit Leitungsverantwortung. Der andauernde Zwang zu funktionieren fordert seinen Tribut. Permanenter Stress erhöht das Erkrankungsrisiko. Gerade da, wo wenig Gestaltungsspielraum bleibt, Wertschätzung fehlt und die Sicherheit des Arbeitsplatzes fraglich ist, nehmen psychische Störungen und Erkrankungen deutlich zu.
Die meisten Unternehmen haben die Konsequenzen eines Arbeitsschutzes, der die psychischen Belastungen im Auge hat, noch nicht genügend umgesetzt. Für Rückenschmerzen sind die Zusammenhänge mit einem ergonomischen Arbeitsplatz bekannt und werden berücksichtigt. Der Zusammenhang von Stress am Arbeitsplatz und psychischen Störungen ist ebenfalls bekannt, wird aber noch nicht selbstverständlich in die Gefährdungsbeurteilung des betrieblichen Gesundheitsschutzes einbezogen.
Da sich Ursachen für arbeitsbedingte Störungen in den Organisationsstrukturen und nicht nur in den individuellen Faktoren der Beschäftigten finden lassen, sind die Unternehmen gefordert - und nicht nur die Beschäftigten. Um den weiter andauernden Wandel in der Arbeitswelt bewältigen zu können, liegt die Herausforderung im Aufbau geeigneter gesundheitsfördernder Maßnahmen mit Blickrichtung auf die psychische Gesundheit.
Eckpunkte eines betrieblichen Gesundheitsmanagements Beim Aufbau gesundheitsfördernder Organisationsstrukturen muss aus psychologisch-psychotherapeutischer Sicht noch mehr getan werden. Ziel muss die Prävention psychischer Störungen sein, die dem Belastungsprofil der neuen Arbeitswelt entgegensteuert. Auf Seiten der Unternehmenskultur sollte die „Unsicherheit durch permanente Veränderung“[1] beachtet werden und die Bedrohung, die prekäre Arbeitsverhältnissen mit sich bringen. Im Führungsverhalten ist die soziale Rückendeckung der Mitarbeiter zu berücksichtigen ebenso die Vermeidung von Kompetenzgerangel und eine klare Definition von Handlungsspielräumen.
Außerdem sollten Methoden zur Erfassung des psychischen Gefährdungspotenzials, eingesetzt werden. So gibt es Instrumente zur Beurteilung psychischer Fehlbelastungen und Fehlbeanspruchungen. Z.B. Impulstest (www.impulstest.at) , das Arbeitsbewältigungscoaching (AB-C) (www.arbeitsfaehigkeit.at) oder ISTA. Ansätze, die eher personenbezogene, individuelle Gesundheitsförderung im Blick haben, versuchen eine Balance von objektiver Belastung und persönlicher Belastungsgrenze herzustellen. Hier kommen z. B. Antistresskurse zum Einsatz, die vermitteln, wie der Einzelne mit Zeitdruck, Arbeitsplatzunsicherheit oder ärgerlichen Kunden umgehen kann. Diese kann der Beschäftigte aber nur annehmen, wenn dadurch keinerlei Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit entstehen. Solange eine Balance zwischen Belastungs- und Schutzfaktoren gewährleistet ist, können Menschen auch mit den damit verbundenen schwierigen Herausforderungen umgehen. Dieses Gleichgewicht ist aber anhand der psychologischen Forschungsergebnisse in einem hohen Prozentsatz nicht hergestellt. Frühzeitige Kurzzeitpsychotherapie kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, gerade bei der Prävention von massiven psychischen Erkrankungsfolgen. Die Umsetzung dieser Empfehlungen könnte nicht nur die Arbeitsbedingungen verbessern, sondern gleichzeitig die Effizienz in den Betrieben erhöhen. Damit wäre sowohl Arbeitgebern als auch Beschäftigten gedient.
Nächtlicher Fluglärm: Risikofaktor für die Psyche Nächtlicher Fluglärm stellt eine psychische und körperliche Gesundheitsgefährdung dar.
Mainz: Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass Nachtfluglärm in besonderer Weise krank macht. Die Stresswirkung von Lärm ist nachts um ein Vielfaches stärker als am Tage. Für die Psyche ist der schädliche Einfluss von Lärm auf Schlafstörungen und Depression nachgewiesen.
Schlafstörungen nehmen in Deutschland massiv zu. Für die so genannte Insomnie, den nicht-erholsamen Schlaf, gibt es seelische, körperliche und Umwelt bedingte Ursachen. Lärm steht an vorderster Stelle. Von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung wird gesprochen, wenn die negativen Auswirkungen des unterbrochenen Schlafes am Tage zu spüren sind. Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungsminderungen sind die Hauptsymptome. Außerdem führt gestörter Schlaf zu seelischer Unausgeglichenheit, zu einer Zunahme von Reizbarkeit und Aggressivität sowie der Abnahme jener Fähigkeiten, mit denen wir ansonsten seelisch belastende Situationen besser zu bewältigen pflegen.
Lärm und seine Auswirkungen auf Kinder Kinder und Jugendliche leiden in besonderem Maße unter nächtlichem Fluglärm, da sie längere Schlafzeiten benötigen. Es wurden Gedächtnis- und Lerndefizite festgestellt. So besteht ein Risiko, dass Kinder schlechter lernen, zu lesen oder Probleme zu lösen.
Unsere Augen können wir schließen, unsere Ohren nicht Auch wenn Menschen schlafen, reagieren ihre Ohren, ihr Gehirn und ihr Körper trotzdem weiter auf Geräusche, wodurch sich schon vorhandene Gesundheitsprobleme verschärfen.
Psychische Gesundheit Nächtlicher Fluglärm bringt ein erhöhtes Risiko für den Gebrauch von Tranquillizern, Sedativa und Hypnotika mit sich. Bei Frauen ist das Erkrankungsrisiko für Depression deutlich erhöht.
Lärm ist ein als störend empfundenes Geräusch Psychotherapeuten können helfen, die Einstellung gegenüber Lärm zu ändern, um ihn als sinnvoll zu interpretieren. Dann mindert sich seine schädliche Wirkung. Die Landespsychotherapeutenkammer verzeichnet einen Zuwachs an behandlungsbedürftigen Schlafstörungen. Aber es ist besser, die Ursachen für eine Störung zu beseitigen, als deren Symptome zu lindern.
Gerade angesichts der aktuell angekündigten Flugroutenänderungen beim Ausbau des Frankfurter Flughafens, die für Mainz bedeuten, dass die Stadt bei Ost- und Westwind ständig überflogen wird, fordert die Landespsychotherapeutenkammer ein Nachtflugverbot. Weitere Informationen finden Sie u.a. http://www.ulrich-kelber.de/
Wir weisen auf folgende Petition hin: Der Deutsche Bundestag möge ein Nachtflugverbot an allen deutschen Flughäfen in der Zeit von 22 bis 06 Uhr beschließen, um die durch nächtlichen Fluglärm verursachte massive Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung zu beseitigen. Zur Unterzeichnung: epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=9902
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Vorstandsbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Gisela Borgmann-Schäfer, Tel: 0172-3959282 oder gisela.borgmann@web.de