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Angeregte Gespräche beim gesundheitspolitischen Abend der LPK RLP

Dringend nötig: Mehr Psychotherapie in der Psychiatrie

Am 21. Juni 2018 kamen auf Einladung der LPK RLP verschiedene gesundheitspolitische Akteure  im Tagungszentrum des Erbacher Hofes in Mainz zusammen, um sich über das Thema "Mehr Psychotherapie in der Psychiatrie" auszutauschen. Im Rahmen der jährlichen Veranstaltung "LPK trifft Gesundheitspolitik" wurde über die leitliniengerechte stationäre Versorgung von psychisch Kranken in Rheinland-Pfalz gesprochen. Gesundheitspolitiker der verschiedenen Landtagsfraktionen, Leiter von Kliniken, Vertreter der Krankenkassen und der anderen Heilberufekammern waren der Einladung gefolgt und wurden von Frau Dr. Andrea Benecke, Vizepräsidentin der LPK RLP, und Frau Dr. Julia Schwaben, Referatsleiterin Psychiatrie und Maßregelvollzug im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz begrüßt. Sie übermittelte Grüße der Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und lobte die LPK für ihre Arbeit und ihr Engagement in gesundheitspolitischen Fragen.

Die Frage, die an diesem Abend im Zentrum stand, war die nach der psychotherapeutischen Versorgung von stationär aufgenommenen psychisch Kranken. Schnell machten die Vorträge der verschiedenen Referenten deutlich, dass in Rheinland-Pfalz momentan in den meisten Psychiatrien zu wenig Psychotherapie stattfindet, obwohl  die Wirksamkeit von Psychotherapie bei allen psychischen Erkrankungen mittlerweile wissenschaftlich belegt ist. Doch da verbindliche, an den wissenschaftlichen Leitlinien orientierte Personalvorgaben fehlen, sind in den Psychiatrien zu wenige Psychotherapeuten beschäftigt, um den tatsächlichen Bedarf an Psychotherapie zu decken. Eine Auswertung der Qualitätsberichte der Krankenhäuser in Deutschland, die die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) im Jahr 2016 vorgenommen hatte, zeigte, dass selbst die längst veralteten Anforderungen der Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) aus dem Jahr 1991 nur von 75% der Kliniken und Abteilungen für Allgemeinpsychiatrie und 73% derjenigen für Kinder- und Jugendpsychiatrie erfüllt werden.

Stationär aufgenommenen psychisch kranken Patienten kann also häufig nicht den wissenschaftlichen Standards entsprechend geholfen werden. Um diesen Missstand zu beheben, wurde der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von der Bundesregierung damit beauftragt, verbindliche Mindestvorgaben für die Personalausstattung in Kliniken für psychisch kranke Menschen festzulegen, um eine leitliniengerechte Behandlung zu ermöglichen.

Wie weit dieser Prozess, der durch das im November 2016 beschlossene Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG) angestoßen wurde, gediehen ist, stellte die Geschäftsführerin der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Frau Dr. Christina Tophoven, in ihrem Impulsvortrag dar. Sie forderte den G-BA auf, unbedingt die vom Gesetzgeber vorgegebene Frist bis zum 30.9.2019 einzuhalten und bis dahin verbindliche Mindestvorgaben für die Personalausstattung vorzulegen.

Herr Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, beleuchtet die psychotherapeutische Versorgung von psychisch Kranken in der Psychiatrie aus Sicht eines Krankenhausträgers. Auch er sprach sich für neue Vorgaben aus, um die Versorgung der Patienten zu verbessern, warnte aber auch vor zu detaillierten Nachweispflichten, die die Flexibilität der Kliniken lähmen würde.

Andreas Gilcher, Vorsitzender des Ausschusses für die Belange der angestellten Psychotherapeuten der LPK RLP und Leitender Psychologe der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach, unterstrich mit seinen Eindrücken aus der Praxis die Dringlichkeit der Reform. Die Patientensicht wurde von Jürgen Mazat repräsentiert, der die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen in Gießen leitet.

Die Referenten, die alle am Ende der Veranstaltung auf dem Podium Platz nahmen, waren sich einig, dass dringend mehr Psychotherapie in der Psychiatrie benötigt wird. Die Vorgaben des Gesetzgebers seien ein klarer Wegweiser für den GBA: dass die neuen Personalvorgaben evidenzbasiert und Leitlinien-orientiert sein sollen, sei der richtige Weg und stelle das Wohl der Patienten in den Mittelpunkt. Nun bleibt zu hoffen, dass es dem G-BA gelingen wird, fristgerecht eine pragmatische Lösung vorzulegen.

Mit vielen angeregten Gesprächen bei Buffett, Getränken und Musik klang der Abend aus.

Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier.

Die Präsentationen der Referenten finden Sie hier:

25.06.2018