Suchen Schließen Pfeil

Bedeutung guter psychotherapeutischer Versorgung thematisiert

Landespsychotherapeutenkammer zu Gast bei Verband der Ersatzkassen

Sabine Maur (Mitte) und Petra Regelin (2.v.r.) mit dem Landesausschuss des vdek RLP

Sabine Maur, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, und Geschäftsführerin Petra Regelin besuchten die Landesausschusssitzung des vdek (Verband der Ersatzkassen e.V.). Vertreten dort waren die TK RLP, die BARMER RLP, die DAK RLP sowie die KKH. Gerne kam Frau Maur der Einladung des vdek nach, dort über die psychotherapeutische Versorgung in Rheinland-Pfalz zu berichten. Sie würdigte, dass insbesondere die ambulante psychotherapeutische Versorgung in Deutschland deutlich besser ist als in den meisten Nachbarländern. Auch die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen sei geringer geworden, so dass Betroffene sich heute früher und häufiger professionelle Hilfe suchen würden. Die Wichtigkeit von Psychotherapie spiegele sich u.a. darin wieder, dass psychische Erkrankungen heutzutage der zweithäufigste Krankschreibungsgrund seien und die Nummer eins der Gründe für Frühberentungen.

Frau Maur stellte die Reform des Psychotherapeutengesetzes vor und erläuterte die Dringlichkeit dieser Reform, die Missstände wie die schlechte finanzielle und rechtliche Stellung der PsychotherapeutInnen in Ausbildung beheben sowie die Ausbildung der PsychotherapeutInnen strukturell derjenigen der ÄrztInnen angleichen soll.
Frau Maur thematisierte außerdem die deutlich zu langen Wartezeiten  auf einen Psychotherapieplatz, die in Rheinland-Pfalz bei durchschnittlich 19 Wochen liegen, wobei in ländlichen Regionen auch Wartezeiten bis zu 36 Wochen möglich sind. Die Reform der Psychotherapierichtlinie  von 2017 konnte daran kaum etwas ändern: diese habe zwar neue Instrumente wie die Psychotherapeutische Sprechstunde geschaffen, so dass Menschen erfreulicherweise früher Zugang zu einer PsychotherapeutIn haben, die Versorgungsprobleme hinsichtlich eines Psychotherapie-Platzes wurden dadurch aber nicht gelöst.  Zeitlich parallel kam es zu einer deutlich schlechteren Bewilligungspraxis der Kostenerstattungs-Psychotherapie. Entlastung wurde von der dringend nötigen Reform der Bedarfsplanung erhofft. Wie Frau Maur bei der Landesausschusssitzung erläuterte, bleibt die geänderte Bedarfsplanung, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)  im Mai 2019 vorlegte, aber weit hinter den Erwartungen zurück (siehe dazu auch die aktuelle Pressemeldung der Bundespsychotherapeutenkammer).

Thema war des Weiteren die unbefriedigende Situation in der stationären Psychiatrie: hier erhalten PatientInnen durchschnittlich nur 30 Minuten Psychotherapie pro Woche. In der aktuellen Personalverordnung sind Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und Jugendlichen-PsychotherapeutInnen überhaupt nicht vorgesehen, obwohl es die beiden Berufsstände bereits seit 20 Jahren gibt. Auch hier läuft derzeit eine Reform der Personalverordnung, deren Ergebnis noch offen ist.

Auf großes Interesse stieß die Darstellung der konkreten Arbeit in der psychotherapeutischen Praxis: eine Verdichtung der Leistungserbringung wie in der Medizin ist nicht möglich, da Psychotherapie zeitgebunden ist (50 Minuten) und nicht delegiert werden kann. Beides wird von PatientInnen sehr geschätzt. Auch dem alten Vorurteil (das beispielsweise der Psychiater Manfred Lütz öffentlich immer wieder äußert), PsychotherapeutInnen würden vor allem „Befindlichkeitsstörungen“ behandeln, konnte entgegengewirkt werden durch die ausführliche Darstellung des heutigen Behandlungsspektrums der Psychotherapie sowohl im Erwachsenen- als auch im Kinder- und Jugendlichen-Bereich.

Kurz thematisiert wurde auch der Referenten-Entwurf des Digitale-Versorgung-Gesetz. Die LPK RLP vertritt hier die Haltung, dass auch in Zukunft die Verordnung digitaler Behandlungsanwendungen nur durch approbierte PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen vorgenommen werden darf.

Die LPK RLP begrüßt sehr das Interesse des vdek, sich über die ambulante und stationäre psychotherapeutische Versorgung psychisch kranker Menschen in RLP aus erster Hand zu informieren. Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieser sehr konstruktiven Art des gemeinsamen Austausches zugunsten von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

13.06.2019