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Fragen und Antworten zur psychotherapeutischen Versorgung während der Corona-Pandemie

Die Ausbreitung des neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) in Deutschland versetzt zahlreiche Menschen in Sorge. Auch viele Psychotherapeut*innen sind verunsichert, wie sie mit der Situation im Praxisalltag umgehen sollen. Jeder Einzelne ist in der Verantwortung, seinen Teil dazu beizutragen, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, damit das Gesundheitssystem leistungsfähig bleibt und Kranke angemessen versorgt werden können. Wir haben für Sie die häufigsten Fragen gesammelt, die uns zum Thema Corona erreichen. Durch Anklicken der Frage gelangen Sie zur Antwort.

Bitte beachten Sie: Dass Virus breitet sich zügig aus und die Situation verändert sich ständig, so dass Entscheidungen und Empfehlungen schnell überholt sind. Wir sind bemüht, die Informationen stetig zu aktualisieren.
Zahlreiche Fragen fallen nicht unter die Zuständigkeit der Landespsychotherapeutenkammer und sind verbindlich nur mit der zuständigen Institution zu klären und von dieser zu entscheiden.

Welche Hygienemaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus sollten Psychotherapeut*innen treffen?

  1. Beachten Sie die grundlegenden Hygieneregeln für die psychotherapeutische Praxis, die vom Kompetenzzentrum (CoC) Hygiene und Medizinprodukte der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in einer Broschüre zusammengestellt wurden: Zur Broschüre gelangen Sie hier.
  2. Bitte überlegen Sie, bei der Begrüßung und Verabschiedung auf das Händeschütteln zu verzichten.
  3. In dieser besonderen Situation ist es ratsam, Ihre Patient*innen nach Betreten der Praxis zum Händewaschen aufzufordern. Sie können beispielsweise einen entsprechenden Aushang in ihrer Praxis anbringen.
  4. Als Psychotherapeut*in treffen Sie in Ihrer Praxis täglich mit vielen Menschen zusammen, auf die Sie das Virus übertragen könnten. Wägen Sie vor dem Hintergrund dieser besonderen Verantwortung ab, ob Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln u.ä. notwendig sind.

Wo kann ich mich über die aktuelle Lage und die geltenden Empfehlungen bzgl. des Coronavirus informieren?

Kann meine Praxis trotz der Corona-Pandemie geöffnet bleiben?

Ja, Ihre Praxis sollte geöffnet bleiben. Die Corona-Krise darf nicht dazu führen, dass notwendige psychotherapeutische Leistungen eingestellt werden. Trotz der Pandemie sollten Psychotherapeut*innen nach Möglichkeit weiterhin ihrem Versorgungsauftrag nachkommen und ihrer Verantwortung gegenüber den Patient*innen gerecht werden. Wir empfehlen, auf der Praxis-Homepage die Patient*innen deutlich darauf hinzuweisen, dass die Praxis trotz Corona-Krise geöffnet ist. Selbstverständlich sollten in der Praxis die empfohlenen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden, um die Gefahr der Übertragung des Virus zu minimieren.
Während der Corona-Pandemie besteht zudem die Möglichkeit, Patient*innen per Video oder Telefon zu behandeln. Nähere Informationen dazu finden Sie weiter unten.

Müssen meine Patient*innen oder ich Mund-Nasen-Bedeckungen (Masken) während der Therapie tragen?

In der jeweils aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung (https://corona.rlp.de/de/service/rechtsgrundlagen)  ist geregelt, in welchen Situationen die Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen ist. Ausnahmen von der Maskenpflicht bestehen für Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres und für Personen, denen die Verwendung einer Mund-Nasen-Bedeckung wegen einer Behinderung oder aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar ist. Dies ist durch eine ärztliche Bescheinigung nachzuweisen.
"Ich schütze Dich, Du schützt mich" ist der Leitgedanke dieser Verordnung und soll gerade in Bereichen, in denen die wirksamste Maßnahme, Einhaltung des Abstands von mind. 1,50m, nicht möglich ist, Schutz für andere bieten.
Für Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen gilt zudem folgende Regelung:
"Patientinnen und Patienten haben in Einrichtungen des Gesundheitswesens in Wartesituationen gemeinsam mit anderen Personen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen."
Sofern Sie Ihre Therapie daher in Räumlichkeiten durchführen, die einen Wartebereich vorsehen, ist das Tragen einer Maske für Ihre Patient*innen verpflichtend, soweit sich in der Wartesituation noch weitere Personen befinden.
Für die Diagnose und Behandlung liegt eine Maskenpflicht dagegen im jeweiligen Ermessensspielraum des Praxisinhabers. Sollten Patient*innen das Bedürfnis äußern, auch in Ihren Praxisräumlichkeiten die Maske zu tragen, obliegt es daher Ihnen, dies zu gewähren oder die Therapie stattdessen per Video und Telefon durchzuführen. Wesentlich ist, dass Sie diesbezüglich mit Ihren Patient*innen im Dialog bleiben!

Zudem ist weiterhin wichtig, dass die Hygienemaßnahmen (Händewaschen bei Betreten der Praxis, Niesen und Husten in die Armbeuge, regelmäßiges Lüften der Räumlichkeiten) eingehalten werden und zu den Patient*innen der vorgeschriebene Abstand eingehalten wird.

Nach Kenntnis der Kammer besteht in vielen Kliniken, psychotherapeutischen Einrichtungen und Instituten in Rheinland-Pfalz für Patient*innen und Angestellte die Verpflichtung, einen Mundschutz zu tragen, auch in der Therapie. Diese Anforderung an angestellt tätige Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen wird nach diesseitiger Auffassung zumindest im allgemeinen Bereichen der Klinik oder Einrichtung (Eingangsbereiche, Flure und Gänge, Wartebereiche…) vom arbeitgeberseitigen Weisungsrecht umfasst und ist deshalb zu befolgen.

Was ist während der Coronakrise in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wichtig?

Für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen bringt die Coronakrise besondere Herausforderungen aber auch Chancen mit sich: Möglicherweise können Termine flexibler vereinbart werden, da Kindertagesstätten und Schulen geschlossen sind. Eltern erwägen evtl. aber auch, in Anbetracht des Infektionsrisikos die Sitzungen in der therapeutischen Praxis zunächst nicht weiterzuführen. 

Bei psychotherapeutischen Sitzungen in den Praxisräumlichkeiten ist derzeit auf besondere Hygiene zu achten. So sollte beispielsweise Spielmaterial verwendet werden, das nach jeder Sitzung gut zu reinigen ist. Aus Infektionsschutzgründen ist auch ein ausreichender räumlicher Abstand zwischen Personen ausgesprochen wichtig. Vor allem im Umgang mit jüngeren Kindern bedarf es kreativer Ideen, diese notwendige physische Distanz einzuhalten. 

Es besteht auch die Möglichkeit, psychotherapeutische Einzelsitzungen per Video durchzuführen. Die Videosprechstunde kann dazu genutzt werden die Bezugspersonen partiell einzubeziehen bzw. ein Bezugspersonengespräch zu führen. Beachten Sie hierzu die Antwort auf die Frage "Wie können Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen die Videosprechstunde nutzen?".  

Sollten die Kinder und Jugendlichen sehr instabil werden, ist eine Überweisung an eine kinderpsychiatrische Klinik notwendig.

Können Patient*innen per Video behandelt werden?

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz hat ihren Mitgliedern mittels Allgemeinverfügung temporär bis Ende Juni 2020 die Möglichkeit eingeräumt, Leistungen rund um das SARS-CoV-2 per Videosprechstunde zu erbringen und abzurechnen. Dadurch soll kurzfristig die teilweise prekäre Wartezimmersituation entschärft werden. In dieser besonderen Lage entfällt temporär die Antrags- und Genehmigungspflicht für die Videobehandlung. Angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus haben KBV und GKV-Spitzenverband außerdem die Begrenzungsregelungen aufgehoben: Fallzahl und Leistungsmenge sind nun mehr nicht limitiert. Die Begrenzungsregelungen wurden zunächst für das zweite Quartal ausgesetzt. KBV und Krankenkassen werden spätestens zum 31. Mai prüfen, ob eine Verlängerung erforderlich ist. Für das laufende erste Quartal erfolgt keine Aussetzung, da beide Seiten davon ausgehen, dass die 20-Prozent-Marke nicht erreicht wird. Ausführliche Informationen zu diesem Beschluss finden Sie hier.

Eine Übersicht der KBV zur Vergütung der Videosprechstunde finden Sie hier.
Eine Praxis-Info der KBV zur Durchführung der Videosprechstunde finden Sie hier.

Auch nicht kassenärztlich zugelassene Psychotherapeut*innen sollten versuchen, akut gefährdete Patient*innen nach Möglichkeit zu behandeln. Kammermitglieder, die in einer Privatpraxis tätig sind, haben die Abrechnung der psychotherapeutischen Leistungen nach der Gebührenordnung für Psychotherapeut*innen (GOP) vorzunehmen. Danach sind Videobehandlungen nicht per se ausgeschlossen, jedoch sollte die Genehmigung des jeweiligen Kostenträgers nach vorheriger Rücksprache im Einzelfall eingeholt werden.
Nach Mitteilung des Landesamts für Finanzen Rheinland-Pfalz kann in der derzeitigen Lage die  Psychotherapie per Videosprechstunde über einen zertifizierten Videodienstanbieter auch im Rahmen der Beihilfe erfolgen.

Ausführliche Informationen zur Beihilfefähigkeit psychotherapeutischer Leistungen während der Corona-Pandemie finden Sie hier.

Dürfen die psychotherapeutische Sprechstunde und probatorische Sitzungen per Video durchgeführt werden?

Die Psychotherapeutische Sprechstunde erfordert weiterhin eigentlich die Anwesenheit der Patientin oder des Patienten, da insbesondere für Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung der unmittelbare persönliche Kontakt im Regelfall notwendig ist. Gegebenenfalls muss die Sprechstunde auf ein Mindestmaß reduziert werden, um Infektionsrisiken zu minimieren. Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie kann es im Einzelfall sinnvoll sein, Patient*innen den Weg in die Praxis nicht zuzumuten, wenn hierdurch andere Gefahren vermieden werden können. Die Durchführung von Psychotherapeutischen Sprechstunden und probatorischen Sitzungen werden daher für einen begrenzten Zeitraum auch im Rahmen der Videosprechstunde ermöglicht. Dies erlaubt es, diagnostische Einschätzungen und eine Einleitung von Psychotherapie auch per Video vorzunehmen. Eine Psychotherapie kann somit auch ohne physischen Kontakt zwischen Patientin/Patient und Therapeutin/Therapeut beginnen. Dies sollte besonderen Einzelfällen vorbehalten bleiben. Therapeut*innen müssen die Vorgaben ihrer Landeskammer zur Berufsordnung in Bezug auf die Gestaltung der Erstkontakte beachten.

Probatorische Sitzungen dürfen auch in der Neuropsychologischen Therapie per Video durchgeführt werden.

Hinweise zur Abrechnung finden Sie hier.

Wie können Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen die Videosprechstunde nutzen?

Psychotherapeutische Einzelsitzungen können während der Corona-Pandemie per Video durchgeführt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass eine Einverständniserklärung der sorgeberechtigten Person bzw. Personen vorliegt. Bei Jugendlichen ab ca. 14 Jahren genügt meist das Einverständnis der Patientin bzw. des Patienten. Die Nutzungsbedingungen einiger Videodienstanbieter enthalten allerdings eine Klausel, dass das Angebot nur von volljährigen Personen genutzt werden kann. Vor Beginn von Videositzungen ist auch zu klären, ob Störfaktoren z. B. durch jüngere Geschwister ausgeschlossen werden können.

Die Möglichkeit der Videosprechstunde kann als Chance gesehen werden und man kann individuell mit dem Kind/Jugendlichen gemeinsam erproben, was gut funktioniert. Ein Vorteil der Videosprechstunde kann sein, dass die Bezugspersonen partiell einbezogen werden bzw. ein Bezugspersonengespräch geführt werden kann.

Bei kleineren Kindern dient die Videositzung erfahrungsgemäß oft ausschließlich dazu, Kontakt zu halten. Evtl. kann die Videosprechstunde in zwei Einheiten aufgeteilt werden oder es werden nur 25 Minuten Einheiten Videotherapie appliziert. Insbesondere bei kleineren Kindern wird empfohlen, kürzere Sequenzen durchzuführen. Ältere Kinder und Jugendliche sind häufig konzentrierter und medienaffin. Mit ihnen sind längere Videositzungen mit psychotherapeutischen Inhalten denkbar. Hierbei kann auf die Aktualsituation des Kindes Bezug genommen werden. Derzeit ist durch den fehlendenden Schulbesuch und der veränderten Betreuungssituation eine Strukturierung des Tages für die Kinder und Jugendlichen nicht gegeben. In einigen Fällen tritt eine Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus auf. Den Kindern und Jugendlichen fehlt meist ein Ansprechpartner außerhalb der Familie.

Der Einsatz von Spielmaterial ist begrenzt möglich. Einsetzbar sind in diesem Zusammenhang beispielsweise Handpuppen, es können Geschichten erzählt und andere kreative Vorgehensweisen erprobt werden.
Die Durchführung von Spieltherapie im eigentlichen Sinn bedarf besonderer Kreativität über Video.

Eine Ideensammlung zur Umsetzung von Videotherapie mit Kindern und Jugendlichen von Frau Prof. Dr. Hanna Christiansen finden Sie hier.

Dürfen auch Polizist*innen und Soldat*innen per Video behandelt werden?

Für die Videobehandlung gelten aufgrund der Corona-Pandemie ab dem 1. April 2020 vorübergehend neue Regelungen. Im Rahmen dieser neuen Regelungen sind nun Behandlungen von Bundespolizist*innen sowie Bundeswehrsoldat*innen auch per Video möglich. 

Können Patient*innen per Telefonsprechstunde versorgt werden?

Vor dem besonderen Hintergrund der Corona-Pandemie wurden die Möglichkeiten zur ärztlichen und psychotherapeutischen Konsultation per Telefon ausgeweitet.  Psychotherapeut*innen können ihre Patient*innen jetzt öfter und länger auch telefonisch betreuen. 
Möglich ist die telefonische Konsultation aber nur bei Patient*innen, die der/die Psychotherapeut*in bereits kennt. Als „bekannt“ gilt ein Patient, wenn er in den vergangenen sechs Quartalen, die dem Quartal der Konsultation vorausgehen, mindestens einmal in der Praxis war. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) bedauert diese Einschränkung, zumal für Rheinland-Pfalz zunächst eine großzügigere Regelung gegolten hatte, die jedoch zum 6. April beendet werden musste. Das Bundesgesundheitsministerium müsse diese neue Klausel bei ihrer Prüfung beanstanden, fordert der Vorstand der KV RLP.

  • Eine Presseinformation der KV RLP dazu vom 8.4.2020 finden Sie hier.
  • Weitere Informationen der KV RLP zu diesem Thema finden Sie hier.
  • Eine Meldung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) zur Kritik an der neuen Regelung finden Sie hier.
  • Informationen zur Abrechnung der Telefonsprechstunde für KV-Mitglieder finden Sie hier.

Private Praxen können "Beratung" und "eingehende Beratung" wie bisher weiterhin "auch mittels Fernsprecher" nach GOÄ/GOP, Ziffer 1 und 3 abrechnen.

Wird die Berufsordnung vorübergehend geöffnet für die Erbringung psychotherapeutischer Sprechstunden per Video?

Auch in der aktuellen Krisensituation muss die psychische Versorgung der Bevölkerung sichergestellt sein. Dabei wird zum Schutz der Patient*innen und der Psychotherapeut*innen geraten, auf Videobehandlung und telefonische Beratung umzustellen, soweit ein persönlicher Kontakt nicht zwingend erforderlich ist.
Die Berufsordnung sieht für die Indikations- und Diagnosestellung einen zwingenden persönlichen Kontakt vor, § 5 Abs. 5 S.2 2. HS BO LPK RLP. Diese Regelung wird aber aufgrund der aktuellen Situation vorübergehend insoweit geöffnet, dass aus Gründen der Patient*innenversorgung eine Behandlung per Video auch bei Erstgesprächen (Sprechstunde und Probatorik) ermöglicht wird. Dies ist im Einzelfall von jeder/jedem Psychotherapeut*in zu entscheiden. Ein Vorgehen, was objektiv von den Vorgaben der Berufsordnung abweicht, kann stets nur dann geahndet werden, wenn das Kammermitglied schuldhaft gehandelt hat. Im Hinblick auf die aktuelle Krisensituation ist dem Kammervorstand bewusst, dass ein Abweichen von § 5 Abs. 5 S. 2 s. HS BO LPK RLP aus Gründen der Patient*innenversorgung geboten sein kann.
Durch die vorübergehende Gestattung der Abrechnung von Sprechstunden und probatorischen Sitzungen im Rahmen der Videosprechstunde im Sozialrecht ist eine vorübergehende Öffnung zudem zur Einheit der Rechtsordnung geboten.

Darf die Behandlung nun auch per Messenger-Dienst erfolgen?

Messenger-Dienste  sind  keine  zertifizierten  Anbieter  und  sind  aufgrund  der  Unvereinbarkeit   mit   Datenschutz   und   Schweigepflicht  auch während der Corona-Krise nicht  für  psychotherapeutische  Behandlungen geeignet.

Dürfen Gruppentherapien weiterhin durchgeführt werden?

Nach aktuellem Stand liegt kein ausdrückliches Verbot von Gruppentherapien im Rahmen einer genehmigten Psychotherapie (auch in der Kostenerstattung) vor; die Entscheidung über die Durchführung von Gruppentherapie liegt in der Verantwortung der einzelnen Psychotherapeut*innen.
Unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln, mit ausreichender Belüftung und nicht zu großer Teilnehmerzahl, kann Gruppentherapie in kleinen Gruppen durchgeführt werden.

Kann Gruppentherapie in Einzeltherapie umgewandelt werden?

Genehmigte Leistungen einer Gruppenpsychotherapie können übergangsweise in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden, ohne dass hierfür eine gesonderte Antragstellung bei der Krankenkasse oder Begutachtung erfolgen muss. Diese Regelung gilt bis 30. Juni 2020.
Die Umwandlung erfolgt über die "Therapieeinheit":

  • Für je eine Therapieeinheit genehmigte Gruppentherapie (entspricht einer Sitzung mit 100 Minuten) kann bei Bedarf max. je Patient der Gruppe eine Einzeltherapie (entspricht einer Sitzung mit 50 Minuten) durchgeführt und abgerechnet werden.
  • Psychotherapeuten müssen die Umwandlung lediglich formlos der Krankenkasse mitteilen (kein Formular notwendig).

Durch die Umwandlung von Gruppen- in Einzelsitzungen können im unmittelbaren persönlichen Kontakt Infektionsrisiken minimiert werden, wenn dies erforderlich ist. Darüber hinaus können diese Einzelsitzungen bei Bedarf – anders als Gruppensitzungen – per Video durchgeführt werden.

Kann ich noch Patient*innen an psychiatrische Tageskliniken überweisen?

Die Pflichtversorgung wird auch in der Krise aufrecht erhalten, teilweise kommt es jedoch zur (Teil-)Schließungen einzelner Tageskliniken. Die Tageskliniken reagieren unterschiedlich auf die Verbreitung des Corona-Virus und entscheiden in dieser dynamischen Situation teilweise kurzfristig, ihr Angebot zu beschränken, vorübergehend einzustellen oder wieder aufzubauen. Teilweise wird die Kommunikation mit den Patient*innen über elektronische Medien aufrecht erhalten.
Psychotherapeut*innen, die Patient*innen in eine solche Einrichtung überweisen möchten, müssen sich per Telefon bei der jeweiligen Einrichtung nach den momentanen Öffnungszeiten und Behandlungsmöglichkeiten erkundigen.

Habe ich eine Meldepflicht?

Grundsätzlich sind die im Infektionsschutzgesetz (IfSG) gelisteten Krankheiten meldepflichtig. Dies gilt auch für das neue Coronavirus, für das die Verordnung 2019-nCoV/CoronaVMeldeV erlassen wurde. Falls Patient*innen in Ihrer Praxis Symptome einer Erkrankung zeigen, verweisen Sie sie an eine Ärztin oder einen Arzt. Sie sind nur dann zur Meldung an das Gesundheitsamt verpflichtet, wenn die Person selbst noch keinen Kontakt zu einem Arzt aufgenommen hat, aber Kontakt zu einer/einem Infizierten hatte. Da es sich bei der Meldepflicht um eine gesetzliche Verpflichtung handelt, verdrängt sie in begründeten Verdachtsfällen die berufsrechtliche Schweigepflicht. Weitere Hinweise zur Meldepflicht finden Sie hier.

Wie verhält es sich mit der Schweigepflicht, wenn ich Kontaktperson eines/einer Infizierten bin?

Auch wenn Sie selbst vom Gesundheitsamt als Kontaktperson einer/eines Infizierten identifiziert wurden, müssen Sie auf ausdrückliche Aufforderung des Gesundheitsamtes ungeachtet der Schweigepflicht die Namen Ihrer Kontaktpersonen, also auch der Patient*innen, preisgeben. Bitte beachten Sie hier die Grundregeln der Sparsamkeit bei Bekanntgabe von Patientendaten, ggf. ist es nicht erforderlich mitzuteilen, dass es sich um Patient*innen handelt. Ihnen bleibt unbenommen, Ihre Patient*innen darüber zusätzlich selbst zu informieren.

Was gilt im Angestelltenverhältnis, wenn es im Zuge der Corona-Pandemie nicht möglich ist, die Arbeitsleistung zu erbringen?

Bei einer Infektion mit dem Corona-Virus besteht ein Entgeltfortzahlungsanspruch über 6 Wochen der Erkrankung, danach besteht für alle angestellten Psychotherapeut*innen ein Anspruch auf Krankengeld. Im Falle einer angeordneten Quarantäne haben Angestellte einen Anspruch auf Freistellung unter Entgeltfortzahlung über § 56 Infektionsschutzgesetz. Sollten Sie sich vorsichthalber in Quarantäne begeben, weil Sie beispielsweise von einer Reise zurückgekehrt sind, können Sie mit Ihrem Arbeitgeber über eine Freistellung oder Möglichkeiten von Videobehandlungen sprechen. Für alle weiteren Informationen wenden Sie sich bitte an Ihre Arbeitgeber.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat zu den arbeitsrechtlichen Auswirkungen des Coronavirus hilfreiche Informationen bereitgestellt. Diese Infos finden Sie hier.

Bekomme ich finanzielle Entschädigung, wenn ich meine Praxis schließe?

Zurzeit besteht keine Empfehlung zur Schließung der Praxis. Die Corona-Krise darf nicht dazu führen, dass notwendige psychotherapeutische Leistungen eingestellt werden. Trotz der Pandemie sollten Psychotherapeut*innen nach Möglichkeit weiterhin ihrem Versorgungsauftrag nachkommen und ihrer Verantwortung gegenüber den Patient*innen gerecht werden. Wenn Sie Ihre Praxis freiwillig schließen, besteht kein Anspruch auf eine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz. Der Lohn für angestellte Psychotherapeut*innen muss in diesem Fall fortgezahlt werden. 

Eine Schließung der Praxis ist zwingend durchzuführen, wenn dies behördlich angeordnet wird. Praxisinhaber*innen und Angestellte haben dann Anspruch auf eine Entschädigung. Dieser Anspruch steht den Praxisinhaber*innen und deren Angestellten zu. Der Anspruch ergibt sich aus § 56 Infektionsschutzgesetz. Voraussetzung für Entschädigungsansprüche ist danach das Verbot der Erwerbstätigkeit oder die Anordnung von Quarantäne aus infektionsschutz-rechtlichen Gründen. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach dem Verdienstausfall. Angestellte erhalten von ihren Arbeit-geber*innen den Lohn für die ersten 6 Wochen. Die Arbeitgeber*innen haben die Möglichkeit, sich diesen Betrag von der zuständigen Behörde erstatten zu lassen. Details zu den Entschädigungsregelungen und eine Liste der zuständigen Behörden können sie der Information der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entnehmen (https://www.kbv.de/media/sp/PraxisInfo_Coronavirus_Entschaedigung.pdf).


Wohin kann ich mich wenden, wenn ich finanzielle Hilfe brauche?

Das Kurzarbeitergeld wird über den Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Steuerstundungen müssen bei den Finanzämtern vor Ort beantragt werden.
Die Kontaktdaten der rheinland-pfälzischen Finanzämter finden Sie hier

Der Antrag auf Kinderzuschlag muss bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden.
Weitere Informationen finden Sie hier.

Grundsicherung für Arbeitssuchende wird beim lokalen Jobcenter beantragt.

Zuschüsse für Solo-Selbstständige und Kleinunternehmer ("Corona-Soforthilfen" des Bundes) müssen über die Landesbehörden beantragt werden. Das Antragsformular und weitere Informationen finden Sie hier.

Ein Kredit aus dem KfW-Maßnahmenpaket muss über die Hausbank oder einen anderen Finanzierungspartner beantragt werden.

Was kann man im Rahmen des Sofortprogramms für kleine Unternehmen, Selbständige und Freiberufler beantragen?

Finanzielle Soforthilfen (Zuschüsse) für kleine Unternehmen stehen allen Wirtschaftsbereichen sowie Solo-Selbständigen und Angehörigen der Freien Berufe mit bis zu zehn Beschäftigten zur Verfügung. Auch Praxen Psychologischer Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen können Soforthilfen beantragen, soweit die Voraussetzung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Folge von Corona erfüllt ist. (Dies bedeutet, dass das Unternehmen vor März 2020 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein darf, der Schaden muss nach dem 11. März 2020 eingetreten sein.)

Das Sofortprogramm für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler bietet Zuschüsse etwa für Miet- und Pachtkosten: Selbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten können einmalig maximal 9.000 € erhalten, bei bis zu zehn Beschäftigten (jeweils Vollzeitäquivalente) stehen maximal 15.000 Euro für drei Monate zur Verfügung.

Mit den Zuschüssen soll die wirtschaftliche Existenz der Antragsteller*innen gesichert werden, indem mit den Soforthilfen laufende Betriebskosten, wie Mieten, Kredite für Betriebsmittel, Leasingraten etc. beglichen werden können. Die Einmalzahlungen müssen nicht zurückgezahlt werden.

Das Antragsformular und weitere Informationen finden Sie hier.

Weitere Informationen bietet auch das rheinland-pfälzische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau hier.

In Rheinland-Pfalz wird dieses Programm der Bundesregierung ergänzt durch das Programm "Zukunftsfonds Starke Wirtschaft Rheinland-Pfalz": Der Zukunftsfonds ergänzt die Zuschüsse des Bundes mit günstigen Sofortdarlehen für Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten und erweitert die Soforthilfen auf Unternehmen mit bis zu 30 Beschäftigten.
Das Sofort-Darlehen des Landes kann zu einem späteren Zeitpunkt bei der Hausbank beantragt werden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Gibt es finanzielle Hilfen bei Umsatzminderung im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung?

Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen können gemäß dem gerade erlassenen Krankenhausentlastungsgesetz aufgrund der Corona-Pandemie Ausgleichszahlungen bekommen, wenn es in ihren Praxen aufgrund eines Fallzahlrückgangs zu Umsatzminderungen kommt.

Weitere Informationen hierzu finden Sie in dieser Pressemitteilung der BPtKvom 27.03.2020.

Wie kann ich mich im Falle einer Ausgangssperre als Psychotherapeut*in ausweisen?

Momentan ist es in Rheinland-Pfalz unproblematisch, zu seiner Arbeitsstelle zu gelangen. Sollte es im weiteren Verlauf der Pandemie aber noch zu einer Ausgangssperre kommen, kann es nötig werden, dass Sie sich als Psychotherapeut*in ausweisen müssen, um einen Nachweis über die Notwendigkeit Ihres Arbeitsweges zu erbringen.
Eine offizielle Möglichkeit sich formal als Psychotherapeut*in auszuweisen, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht. Unseren Mitgliedern, die von einer Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zugelassen sind, empfehlen wir daher, auf der der Homepage der KV unter „Psychotherapeutensuche" die eigenen, dort veröffentlichten Daten auszudrucken und gemeinsam mit dem Personalausweis auf dem Weg zu Ihrer Praxis mitzuführen. Sollten Sie Angestellte haben, sollten Sie diesen als Praxisinhaber und Arbeitgeber unter Angabe der Praxisdaten eine Bescheinigung über ihre Beschäftigung ausstellen.
Mitgliedern die im Anstellungsverhältnis tätig sind, raten wir, von Ihrem Arbeitgeber eine entsprechende Bescheinigung über ihre Beschäftigung ausstellen zu lassen.
Unseren Mitgliedern mit Privatpraxen empfehlen wir, den Praxisstempel sowie Ihren Personalausweis dabei zu haben.

Darf ich als Psychotherapeut*in die Notbetreuung für mein Kind in Anspruch nehmen?

In Rheinland-Pfalz hat das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung wegen der Schließung von Kindertagesstätten und Schulen eine Notfallbetreuung eingerichtet. Dieses Angebot steht unter anderem "Angehörigen von Gesundheits- und Pflegeberufen" zur Verfügung, wie es in einem Schreiben des Landesamtes vom 18. März 2020 heißt - also auch Psychotherapeut*innen. Das betreffende Schreiben finden Sie hier.

Weitere Informationen zur Notbetreuung finden Sie hier.

Absage von Fortbildungsveranstaltungen wegen des Coronoavirus - wie erfülle ich meine Fortbildungspflicht?

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie hat der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) in seiner Sitzung am 1. April 2020 beschlossen, dass alle Nachweispflichtigen gemäß § 95d SGB V im Zeitraum vom 17. März 2020 bis zum 30. Juni 2020 die Möglichkeit erhalten, den Fortbildungsnachweis bis zum 31. Dezember 2020 bei der KV RLP nachzureichen.
 
Außerdem hat sich die KBV mit der zuständigen Abteilung im BMG in Verbindung gesetzt, um eine bundeseinheitliche Vorgehensweise zu klären.

Dürfen Intervisions- und Supervisionsgruppen per Video durchgeführt werden?

Aufgrund der aktuellen Situation empfiehlt die LPK RLP Supervisions- und Intervisionsgruppen, von persönlichen Treffen abzusehen. Um diese Fortbildungsmöglichkeiten dennoch weiter nutzen zu können, können während Andauern der Pandemie solche Termine per Video stattfinden. Die Fortbildungsordnung der LPK RLP lässt dies grundsätzlich zu. Die LPK RLP bitten darum, auch bei Videositzungen Protokolle anzufertigen und datenschutzrechtliche Regelungen zu beachten, dass bedeutet insbesondere, dass Fallbeispiele anonymisiert vorgestellt werden müssen.