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Psychosoziale Faktoren entscheidend für chronische Rückenschmerzen

Nationale Versorgungsleitlinie "Kreuzschmerz" veröffentlicht

Kreuzschmerzen sind weit verbreitet und gehören zu den teuersten Erkrankungen in den industrialisierten Ländern. Ungefähr jeder dritte Deutsche leidet aktuell unter Rückenschmerzen. Nach der Gesundheitsberichterstattung des Bundes aus dem Jahr 2006 kostet ihre Behandlung rund 8,4 Milliarden Euro pro Jahr. Dabei verursachen Patienten mit chronischen Rückenschmerzen den Hauptanteil der Kosten (80 Prozent).

Für die Diagnostik und Behandlung von Kreuzschmerzen steht seit dem 30. November die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) "Kreuzschmerz" zur Verfügung. Die Empfehlungen der Leitlinie beziehen sich auf die Versorgung von Patienten mit "nichtspezifischem Kreuzschmerz", bei dem keine bestimmten körperlichen Ursachen für die Schmerzen festgestellt werden können. Studien haben gezeigt, dass psychosoziale Faktoren (z. B. Depressivität, beruflicher Stress, ausgeprägtes Schon- und Vermeidungsverhalten) entscheidend dafür sind, dass aus akuten Rückenschmerzen chronische werden. Die Leitlinie gibt deshalb bestimmte Empfehlungen, wie psychosoziale Risikofaktoren zu erfassen und Patienten aufzuklären sind. Wenn möglich, sollen die Patienten z. B. unbedingt ihre körperliche Aktivität beibehalten. Ihnen soll bewusst werden, dass eine körperliche Schonung kontraproduktiv ist und sich die Heilungschancen dadurch deutlich verringern. Im weiteren Verlauf sollen ihnen die biopsychosozialen Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krankheit sowie Kompetenzen zum gesundheitsbewussten Verhalten vermittelt werden.

Durch die NVL "Kreuzschmerz" sollen Patienten mit hohem Risiko für anhaltende Rückenschmerzen früher erkannt und nach bestem medizinischem Wissensstand behandelt werden. Dadurch sollen besser als bisher langwierige, komplizierte und kostenintensive Rückenleiden vermieden werden. An der Erstellung der Leitlinie war auch die Bundespsychotherapeutenkammer beteiligt.

Zentrale Empfehlungen:
Die NVL "Kreuzschmerz" gibt Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung sowie zur Prävention von nichtspezifischen Rückenschmerzen.

    Um gefährliche Verläufe auszuschließen, sollen bestimmte Warnsignale mit dringendem Handlungsbedarf ("red flags") stets erfasst werden.
    Sind gefährliche Verläufe ausgeschlossen, sollen im akuten Stadium keine bildgebenden Untersuchungen durchgeführt werden. Im Vordergrund soll die körperliche Aktivierung der Betroffenen stehen, bei chronischen Rückenschmerzen die Bewegungstherapie.
    Bei anhaltenden Rückenleiden sollen psychosoziale und körperliche Risikofaktoren erfasst werden, die zu chronischen Kreuzschmerzen führen können ("yellow flags").
    Bei subakuten Kreuzschmerzen (keine Besserung nach sechs Wochen trotz leitliniengerechter Behandlung) und Vorliegen psychosozialer Risikofaktoren soll Kognitive Verhaltenstherapie angeboten werden.
    Bei chronischen Rückenschmerzen (über zwölf Wochen) soll Kognitive Verhaltenstherapie innerhalb eines multimodalen Therapiekonzepts angewendet werden.
    Besteht der Verdacht auf psychosoziale Belastungen, können bei zwei Wochen andauernden Kreuzschmerzen nach der ärztlichen Beratung Psychotherapeuten zur weiteren Diagnostik und Behandlung konsultiert werden.
    Beim Vorliegen (komorbider) psychischer Störungen soll eine entsprechende leitliniengerechte Versorgung eingeleitet werden

Die NVL "Kreuzschmerz" ist als Langfassung und als Kurzversion veröffentlicht. Daneben erscheinen ein Leitlinienreport und Praxishilfen. Für das nächste Jahr plant das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) außerdem, eine Version für Patienten zu erstellen. Link:
06.12.2010
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