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Fortbildung der LPK RLP präsentiert Best-Practice-Modelle

Wie können Jugendhilfe und Psychotherapie erfolgreich zusammenarbeiten?

Zum Berufsalltag von Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen gehört die Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe. Diese ist häufig auf psychotherapeutische Expertise angewiesen, um ihre besonders vulnerable Klientel bestmöglich unterstützen zu können. Wie kann die Kooperation von Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen (KJP) mit Einrichtungen der ambulanten und stationären Jugendhilfe erfolgreich gestaltet werden?

Um diese Frage zu diskutieren und sich durch die Vorstellung von Best- Practice-Modellen inspirieren zu lassen, kamen rund 80 Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen sowie AkteurInnen aus der rheinland-pfälzischen Jugendhilfe am 23. Oktober 2019 im Mainzer Favorite Parkhotel zusammen. Die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz hatte zu einer Fachtagung mit dem Titel "Kinder und Jugendliche gemeinsam unterstützen - Schnittstelle Jugendhilfe und Psychotherapie in Rheinland-Pfalz" geladen.

Die Teilnehmer wurden von Kammerpräsidentin Sabine Maur begrüßt, die in einem kurzen Vortrag das Thema umriss, einen Überblick über die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz gab, sowie die Schnittstellen zwischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Jugendhilfe deutlich machte: Zusammenarbeit ist im Bereich der Hilfen zur Erziehung, der Jugendgerichtshilfe, des Pflegekinderwesens, der Hilfen für junge Volljährige und im Bereich der Kindeswohlgefährdung gefragt.

Wie Dr. Norbert Beck (PP und KJP, Leiter des Überregionalen Beratungs- und Behandlungszentrums Würzburg und des Therapeutischen Heims Sankt Joseph) in seinem anschließenden Vortrag ausführte, sind die Fallzahlen in der Jugendhilfe extrem angestiegen von 369 395 im Jahr 1991 auf 1.114 000 im Jahr 2017. Die Rate der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Störungen in allen Settings der Hilfen zur Erziehung ist sehr hoch. 60-80% der Kinder und Jugendlichen in (teil-)stationären Einrichtungen der Jugendhilfe leiden unter psychischen Störungen. Dort finden sich alle Störungsbilder, oft in einem komorbiden Muster.

Eine psychotherapeutische Versorgung dieser besonders belasteten Gruppe ist daher von zentraler Bedeutung. Anhand dreier Best-Practice-Modelle wurde den TeilnehmerInnen der Veranstaltung präsentiert, wie eine gelungene Kooperation zwischen Einrichtungen der Jugendhilfe und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen gestaltet werden kann: Dr. Stefanie Kirchhart (KJP) vom Mädchenhaus Mainz stellte die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe mit einer Wohngruppe für essgestörte Jugendliche und ambulanter Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vor. Isolde Martin (KJP) und Manfred Brunn (Dipl. Soz. Arb.) gaben den Zuhörern anhand von Fallbeispielen einen Einblick in die alltägliche Kooperation von Jugendamt und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in ihrer Beratungsstelle (SOS Familienhilfezentrum). Sie hoben die Vorteile für Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen bei einer Tätigkeit in einer Beratungsstelle hervor, unter anderem dass Unterstützung durch ein Team zur Verfügung stehe und man weniger "Einzelkämpfer" sei, als in einer eigenen Praxis.
Das letzte Best-Practice-Beispiel wurde von Kristina Nehls (niedergelassene KJP) und zwei Mitarbeiterinnen des Projekthauses-KH in Bad Kreuznach vorgestellt: Christine Karsch und Vanessa Brenken vertraten den Leiter der Jugendhilfeeinrichtung Frank Schümann und ließen die Teilnehmer anhand eines Fallbeispiels an ihrer Kooperation im Berufsalltag teilhaben. Das Projekthaus-KH bringt regelmäßig KlientInnen nach Mainz zu Frau Nehls, die ihnen dort eine psychotherapeutische Diagnostik anbietet und versucht weiterzuhelfen.

Über die vorgestellten Best-Practice-Modelle sowie über die Chancen und Herausforderungen der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Psychotherapie wurde zum Abschluss der Fachtagung auf dem Podium diskutiert. Dort nahmen Sabine Maur, Dr. Norbert Beck und Birgit Zeller Platz, die das Landesjugendamt Rheinland-Pfalz leitet. Die TeilnehmerInnen hatten die Möglichkeit, sich durch Fragen und Diskussionsbeiträge einzubringen und konnten auch den dafür freigehaltenen Platz auf dem Podium einnehmen. Insgesamt wurde festgehalten, wie wichtig eine gute Kooperation zwischen den Akteuren ist, um die jungen Patienten möglichst gut versorgen zu können. Immer wieder wurde betont, dass dafür hohes Engagement nötig ist sowie die Bereitschaft, unvergütete Mehrarbeit in Kauf zu nehmen. Dass sich der Einsatz lohnt, zeigten die genannten Beispiele von positiven Entwicklungsverläufen der Kinder und Jugendlichen, die das Glück hatten, von guter Zusammenarbeit zwischen KJP und Jugendhilfe zu profitieren.

Auch der SWR besuchte die Fachtagung und berichtete darüber in der Sendung "SWR Aktuell Rheinland-Pfalz" am 23.10.2019 um 16 Uhr. Sie finden den Sendebeitrag hier (ca. ab Sendeminute 3:50).

Das ausführliche Programm der Veranstaltung finden Sie hier.

Die Präsentationen der ReferentInnen zum Download:

24.10.2019