Gedenken an queere Verfolgte des NS-Regimes als Mahnung für die Gegenwart
Der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz, ist dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet. LPK-Präsidentin Sabine Maur nahm aus diesem Anlass an der Gedenksitzung des Landtags Rheinland-Pfalz teil und hielt eine Rede an der Stele zum Gedenken an die verfolgten queeren Menschen in NS-Diktatur und Nachkriegszeit auf dem Ernst-Ludwig-Platz in Mainz.
Außer der Kammerpräsidentin sprachen bei der Veranstaltung Nicole Steingaß (Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz) und Oberbürgermeister Nino Haase ein Grußwort, sowie Vertreter*innen von dgti, QueerNet RLP, Queersensibler Pastoral im Bistum Mainz und Schwuguntia.
Sabine Maur betonte in ihrer Rede, dass die Verfolgung und Vernichtung queeren Lebens in der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur eine Folge der Gewalt durch den Staat war, sondern alle gesellschaftlichen Gruppen diese staatliche Repression legitimierten. „Eine besondere Rolle spielten dabei Medizin und Psychologie“, machte die Kammerpräsidentin deutlich. „Sie pathologisierten queere Menschen, erklärten sie für krank, abartig, gefährlich. Und führten in der Folge so genannte Behandlungen durch, die in Auslöschung oder Unsichtbarmachung queeren Lebens endeten“. NS-Staat und Medizin arbeiteten Hand in Hand, erläuterte Frau Maur. Egal, ob Erbbiologie, Endokrinologie oder Psychiatrie: Die Existenz von queeren Menschen sollte verhindert werden, und dieses Ziel sollte wissenschaftlich legitimiert werden. Es waren also also oft die Diagnosen von Ärzten und Psychologen, die Zwangsmaßnahmen, Haft, „Behandlungen“ und letztlich Gewalt rechtfertigten.
In ihrer Rede zeichnete die Kammerpräsidentin nach, wie wichtige ärztliche und psychologische Institutionen „gleichgeschaltet“ wurden oder sich selbst in vorauseilendem Gehorsam ganz der NS-Ideologie unterordneten. Erinnerung bedeute nicht nur, der Opfer zu gedenken, sondern auch, die Rolle der Institutionen kritisch zu beleuchten, die dieses Leid mitverursacht haben und sich seiner Verantwortung bewusst zu werden:
„Die Auseinandersetzung mit der Pathologisierung queerer Menschen in der NS-Zeit und darüber hinaus ist daher kein Blick in eine abgeschlossene Vergangenheit“, schloss Sabine Maur. „Sie ist eine Mahnung, Wissenschaft, Medizin, Psychologie und Psychotherapie immer wieder an ihre Verantwortung gegenüber der Menschenwürde zu erinnern. Und für diese Menschenwürde menschlich, fachlich und politisch zu kämpfen.“
Die gesamte Rede der LPK-Präsidentin vom 27.01.2026 können Sie hier nachlesen.









