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Psychische Belastung afghanischer Geflüchteter nimmt zu

Die dramatische Lage in Afghanistan war der Anlass für einen Austausch zwischen Ulrich Bestle, Vorstandsmitglied der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, und den Kammermitgliedern Christine Barth-Lichter und Petra Mattes am 17. August 2021. Die beiden Psychologischen Psychotherapeutinnen sind im Psychosozialen Zentrum (PSZ) für Geflüchtete Mainz tätig und berichteten bei dem digitalen Treffen von den Auswirkungen der Ereignisse in Afghanistan auf afghanische Geflüchtete in Mainz.

Unter den Geflüchteten im PSZ machten Afghanen und Afghaninnen im Jahr 2020 rund 40 Prozent aus. Es handelt sich also um eine große Gruppe, deren aufenthaltsrechtlicher Status in der Regel unsicher ist: sie sind überwiegend nur geduldet in Deutschland, erhalten kein Aufenthaltsrecht und sind durch diese Unsicherheit hohem psychischem Stress ausgesetzt.
Diese ohnehin sehr vulnerable Gruppe wird durch die jüngsten Ereignisse in Afghanistan und die Machtübernahme der Taliban nun zusätzlich belastet: es kommt zu Retraumatisierungen derjenigen, die meist selbst vor den Taliban geflüchtet sind und zu verstärkten Sorgen um Angehörige in der Heimat. Sowohl unter den Geflüchteten als auch unter den Sprachmittlern sei ein Anstieg der psychischen Belastung zu beobachten, berichteten Frau Barth-Lichter und Frau Mattes.

Das Gespräch machte deutlich, dass die psychotherapeutische Versorgung von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund weiterhin mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und Geflüchtete nur selten in der Regelversorgung ankommen. Vor allem die Finanzierung von Sprachmittlern ist nach wie vor ein großes Problem; ohne sprachliche Verständigung ist jedoch keine Therapie möglich. Das „Positionspapier für die weitere Ausgestaltung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund in Rheinland-Pfalz“, das die Landespsychotherapeutenkammer RLP gemeinsam mit verschiedenen Partnern im Januar 2021 veröffentlicht hat, ist also immer noch aktuell und die dort genannten Probleme haben nichts von ihrer Brisanz eingebüßt. Es bleibt Aufgabe der Kammer, Entscheidungsträger*innen auf die Missstände hinzuweisen und sich für eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung Geflüchteter einzusetzen.
 

[Digitales Treffen am 17. August 2021]

01.09.2021
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