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Sabine Schütt-Strömel: Kunstprojekt in der Psychotherapie-Praxis

Die „Galerie Grüne Schleife“ ist keine gewöhnliche Galerie: Sie befindet sich in einer Psychotherapie-Praxis in der Mainzer Altstadt und die ausstellenden Künstlerinnen sind allesamt Frauen, die in psychotherapeutischer Behandlung sind oder waren. Praxisinhaberin - und damit in gewisser Weise auch Galeristin – ist Sabine Schütt-Strömel, Mitglied der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz.

Die Psychologische Psychotherapeutin hat seit 2015 einen Kassensitz für Verhaltenstherapie, arbeitet aber auch gerne verfahrensübergreifend und ist tiefenpsychologisch interessiert. Studiert hat Frau Schütt-Strömel in Wuppertal und in Mainz, wo sie auch ihre Ausbildung absolvierte. Praktische Erfahrungen sammelte sie in einer Ambulanz mit Essstörungs-Schwerpunkt und in der Vitos-Klinik Eichberg im Rheingau. Sie erwarb eine Zusatzausbildung in Dialektisch-Behavioraler Therapie (DBT) und absolviert momentan eine Fortbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH). Vor ihrer Niederlassung in Mainz war sie in einer Praxengemeinschaft in Wiesbaden tätig. Auch wenn ihr beruflicher Weg im Rückblick zielstrebig auf die eigene Praxis zuzusteuern scheint, war zunächst nicht klar, ob sie sich für ein Psychologie- oder ein Grafikdesign-Studium entscheiden würde. „Zu Schulzeiten habe ich viel und gerne gezeichnet“, berichtet die Psychotherapeutin im Gespräch. Dann fiel die Wahl auf das Psychologiestudium und die künstlerischen Interessen lagen erst mal brach.

Als Frau Schütt-Strömel Jahre später im Rahmen der Therapiegespräche nach Ressourcen ihrer Patientinnen fragte, die man zur Bewältigung der Krankheit aktivieren könnte, fiel ihr auf, dass häufig kreative Hobbies genannt wurden. Einige waren sogar professionell künstlerisch tätig. Allerdings berichteten viele Patientinnen, dass sie das Zeichnen, Malen oder Fotografieren aufgrund ihrer psychischen Erkrankung vernachlässigen würden. Da kam Frau Schütt-Strömel im Sommer 2022 die Idee zum Kunstprojekt „Galerie Grüne Schleife“: Sie wollte ihre Patientinnen dazu motivieren, wieder kreativ tätig zu werden, sich in einer Projektgruppe zu treffen und dort eine gemeinsame Ausstellung im geschützten Rahmen der Praxis zu organisieren. Die Reaktionen auf ihre Idee waren durchweg positiv: Sieben Patientinnen wollten gerne an der Projektgruppe teilnehmen, die sich regelmäßig alle vier Wochen traf. Der Name des Projektes bezieht sich auf die grüne Schleife, die als Symbol für Solidarität mit psychisch kranken Menschen getragen wird und für Toleranz wirbt.

Das Projekt bot den Patientinnen die Chance, andere Künstlerinnen mit psychischen Erkrankungen kennen zu lernen und sich auszutauschen. Außerdem sollte die gemeinsame Planung der Ausstellung den eigenen Selbstwert stärken. Zunächst kostete es manche Patientinnen allerdings große Überwindung, die eigenen Kunstwerke in einer der ersten Gruppensitzungen den anderen Teilnehmerinnen zu präsentieren, erzählt Frau Schütt-Strömel. Der Umgang der Teilnehmerinnen miteinander sei aber sehr wertschätzend und unterstützend gewesen.

Teilweise fertigten die Frauen Kunstwerke gezielt für die Ausstellung an, teilweise brachten sie schon vorhandene Kunstwerke in die Projektgruppe ein. Eine Patientin zeichnete für das Projekt zum ersten Mal. Manche setzten sich in ihren Werken mit ihrer psychischen Erkrankung auseinander, manche machten bewusst andere Themen zum Gegenstand ihrer Arbeit.

Neben der Besprechung und Auswahl der Werke ging es in der Gruppe unter anderem um technische Fragen, die Art der Präsentation der Gemälde und Fotografien an den Wänden der Praxisräume und um organisatorische Aufgaben zur Vorbereitung der Vernissage, die im April 2023 im Kreise von Angehörigen und Freund*innen der Künstlerinnen stattfand. Außerdem führte die Psychotherapeutin Reflexionsgespräche mit den Teilnehmerinnen der Projektgruppe außerhalb der Einzeltherapien, etwa zum Umgang mit Spannungen, zur Achtung eigener Grenzen und zur Steigerung des Selbstwertgefühls. In den Reflexionsgesprächen äußerte sich die Patientinnen sehr positiv zu dem Kunstprojekt. Teilweise wurden sie dadurch ermutigt, sich weiterhin künstlerisch zu betätigen, eigene Ausstellungen zu planen und sich mit den anderen Teilnehmerinnen auch privat zu vernetzen.

Die Ausstellung der insgesamt 25 Kunstwerke in den Praxisräumen, die teilweise von persönlichen Statements der Künstlerinnen flankiert werden, neigt sich nun dem Ende entgegen: Für Januar 2024 ist eine feierliche Abschlussveranstaltung mit geladenen Gästen geplant. Da die Praxis als Galerie fungiert, sind die Kunstwerke zwar nicht öffentlich zugänglich, doch zieht die Ausstellung trotzdem größere Kreise: Sabine Schütt-Strömel ermuntert ihre Patient*innen, sich die Bilder der Projektgruppe anzusehen und einige haben bereits Interesse an einer ähnlichen Gruppe angemeldet. Auch die Teilnehmerinnen der ersten Gruppe möchten teilweise weiter in dem Projekt aktiv sein. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen möchte Frau Schütt-Strömel das Kunstprojekt zukünftig in ihre Gruppentherapie integrieren und verstetigen, damit noch mehr Patient*innen die positive Wirkung von Kunst auf die psychische Gesundheit erfahren können.

Die LPK RLP dankt Sabine Schütt-Strömel herzlich für das interessante Gespräch, auf dessen Grundlage dieser Text entstand.

[Sabine Schütt-Strömel]

28.11.2023
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