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Ambulante Psychotherapie: Kürzungen trotz hoher Nachfrage

Der SWR hat in einem Sendebeitrag beleuchtet, wie die Honorarkürzungen die ambulante Psychotherapie bedrohen und welche Auswirkungen dies für die Betroffenen hat. Interviewt wurden für die Sendung auch Peter Andreas Staub, Vorstandsmitglied der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz (LPK RLP) und der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) sowie die beiden LPK-Mitglieder Birgit Bauer und Judith Hagen. Obwohl die Versorgungssituation schon jetzt extrem angespannt ist und die Wartezeiten auf ambulante Psychotherapie vielerorts unzumutbar lang sind, wurden die Honorare für Psychotherapie seit 1. April 2026 um 4,5% gesenkt. Weitere Einbußen drohen durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.
 
Kammermitglied Birgit Bauer, Inhaberin einer Psychotherapiepraxis in Worms, empören die Kürzungen. Diese empfindet sie als „Geringschätzung ihrer Arbeit“ und als ungerecht. Der SWR-Beitrag macht deutlich, dass Psychotherapeut*innen im Vergleich mit anderen Arztgruppen ohnehin deutlich geringere Honorare haben; Kürzungen gerade bei dieser Fachgruppe also nicht gerechtfertigt sind. Zudem erspart die ambulante Psychotherapie den Krankenkassen viele Folgekosten, wie Peter Andreas Staub im Interview betont: „Jede Psychotherapie ambulant schützt vor einer längerfristigen, stationären Behandlung.“ Statt bei der ambulanten Psychotherapie zu kürzen, solle also in den Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung investiert werden, fordert Herr Staub. In Rheinland-Pfalz fehlen rund 200 Kassensitze für Psychotherapie, wie die KV RLP berechnet hat.

Besonders gravierend ist der Mangel an freien Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche, macht Judith Hagen im Fernsehbeitrag klar: Seit Jahren suchen immer mehr Betroffene in ihrer Psychotherapiepraxis für Kinder und Jugendliche in Grünstadt Hilfe. Seit Corona macht sich vor allem eine Zunahme von Essstörungen, sozialen Phobien, Depression und Suizidalität bemerkbar. Diese Welle sei noch nicht abgeebbt. Der Bedarf sei so groß, dass sie jede Woche 8-10 Kinder und Jugendliche abweisen müsse, obwohl Therapiebedarf besteht, berichtet die Psychotherapeutin. Ohne Behandlung nehmen die Kinder ihre psychischen Erkrankungen also ins Erwachsenenalter mit. „Was kommt da nur auf uns zu?“ fragt Judith Hagen. „Die gesellschaftlichen Folgekosten machen mir große Sorgen.“

Der SWR-Beitrag zieht das Fazit: Für Hilfesuchende wird sich die Situation durch die Kürzungen weiter verschärfen. Angesichts der Zunahme der psychischen Erkrankungen sei diese Entwicklung unverständlich.


Der SWR-Sendebeitrag von Kai Dietzemann mit den Statements von Peter Andreas Staub, Birgit Bauer und Judith Hagen wurde am 21. Mai 2026  um 20.15 Uhr in der Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ ausgestrahlt. In der Mediathek finden Sie den Beitrag hier (ab min 38).

[Screenshots aus der SWR-Sendung vom 21.05.2026]

26.05.2026
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