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Professionszentrismus und andere Fallstricke für die Teamarbeit

5. Tag der Angestellten widmete sich interdisziplinärem Arbeiten

Unter dem Motto "Zusammen - Arbeiten. Wollen. Sollen Müssen?!" lud die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz zum fünften Mal die angestellten Kammermitglieder zum "Tag der Angestellten" ein.

LPK-Vizepräsidentin Dr. Andrea Benecke und Andreas Gilcher, Vorsitzender des Ausschusses "Belange der Angestellten", konnten rund 40 Teilnehmer im Tageszentrum Erbacher Hof in Mainz begrüßen. Frau Dr. Benecke gab in ihrem anschließenden Vortrag einen Überblick über die wichtigsten berufspolitischen Entwicklungen: Ein zentrales Thema des letzten Jahres war die Reform der Psychotherapeutenausbildung, deren langen Entstehungsprozess Frau Dr. Benecke nachzeichnete. Sie lobte das Reformgesetz als "wegweisenden Kompromiss nach fünfzehn Jahren Reformdebatte". Die neue Personalverordnung für die Psychiatrie, die Frau Dr. Benecke als zweites Ereignis hervorhob, sei allerdings enttäuschend ausgefallen und bedürfe der Nachbesserung.

Der Hauptvortrag von Simone Brandstädter (Psychologisches Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) widmete sich der interdisziplinären Zusammenarbeit. In vielen Institutionen sei Interdisziplinarität nur ein theoretisches Konzept, dass in der Praxis nicht konkret umgesetzt würde, berichtete sie. Interdisziplinarität bringe viele Vorteile mit sich und erhöhe bei komplexen Themenfeldern die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Lösungsansätze - andererseits sei Interdisziplinarität eine große Herausforderung und berge viel Konfliktpotential für die Teamarbeit. Hierzu gehöre beispielsweise der so genannte "Professionszentrismus", der sich darin äußert, dass man die eigene Profession für überlegen hält, andere Disziplinen abwertet und sich nicht auf deren Sicht- und Arbeitsweise einlassen kann. Im weiteren Verlauf machte Frau Brandstädter den Zuhörern deutlich, welche Voraussetzungen und Kompetenzen nötig sind, um diese Herausforderungen zu meistern und erfolgreich interdisziplinär zu arbeiten.

Nach der Mittagspause mit Fingerfood konnten die Teilnehmer sich für einen der drei Workshops entscheiden: Der Workshop "Berufsrecht für Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in Anstellung" wurde von Kammerjuristin Saskia Kollarich geleitet und von Dr. Andrea Benecke moderiert. Im Workshop wurde Wissenswertes unter anderem zu Akteneinsicht, Datenschutz und Schweigepflicht vermittelt, wobei die TeilnehmerInnen viele Fragen stellten und aus ihrer Berufspraxis berichteten.

Der zweite Workshop "Zusammen.Arbeiten - für mehr Sicherheit" widmete sich der "Deliktorientierten Psychotherapie im Spannungsfeld zwischen Resozialisierung Kontrolle" und wurde von Michael Ruch geleitet, der stellvertretender Leiter der Psychotherapeutischen Ambulanz der Justiz in Ludwigshafen ist. Andreas Gilcher übernahm die Moderation. Es wurde deutlich, dass deliktorientierte Psychotherapie häufig nur in einem interdisziplinären Kontext erfolgreich sein kann; in Zusammenarbeit mit Bewährungshilfe, Strafvollzug, Justiz und ggf. Polizei. Herr Ruch gab einen Einblick in seinen Berufsalltag und stellte Ansätze und Methoden deliktorientierter Therapie vor.

Im dritten Workshop "Highway to Health? Digitalisierung in der Psychotherapie von Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen" gingen Dr. Severin Hennemann und Jun. Prof. Dr. Stefanie M. Jungmann (beide vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz) auf Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Psychotherapie ein. Sie stellten technische Innovationen im Bereich von Online-Programmen, Apps und Chat-Bots vor und diskutierten mit den TeilnehmerInnen den möglichen Nutzen für die Psychotherapie, etwa den Einsatz von virtual reality in der Expositionstherapie. Zusammenfassend stellte Herr Dr. Hennemann fest: "Digitalisierung löst nicht alle Probleme und löst sie nicht für jeden". Digitale Angebote könnten aber eine gute Ergänzung herkömmlicher Therapie sein.

Im Anschluss an die Workshops wurden deren Ergebnisse im Plenum zusammengefasst, bevor die Fortbildungsveranstaltung bei einer Tasse Kaffee ausklang.

Den ausführlichen Programm-Flyer der Veranstaltung finden Sie hier.

Die Präsentationen der Referenten zum Download:

02.12.2019