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"Jugend. Alter. Migration. Treatment as usual?"

Spannender Austausch am 4. Tag der Angestellten

Zum vierten Mal lud die LPK RLP am 9. November 2018 ihre angestellten Mitglieder zum „Tag der Angestellten" ein, der unter dem Thema „Jugend.  Alter. Migration. Treatment as usual?" stattfand. Die rund 40 Teilnehmer wurden von LPK-Vizepräsidentin Dr. Andrea Benecke begrüßt. In Ihrer Ansprache gab sie einen Überblick über relevante Themen für angestellte PsychotherapeutInnen, die momentan auf Landes- und Bundesebene in der politischen Diskussion stehen. Anschließend stellten Andreas Gilcher und Michael Ruch, beide Mitglieder im LPK-Ausschuss „Belange der Angestellten",  die Aktivitäten des Ausschusses vor. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, die angestellten PPs und KJPs zu stärken und zu vernetzen. Hierbei entstand die Idee eines Führungskollegs. Eine unter den angestellten Kammermitgliedern im Frühjahr 2018 durchgeführte Umfrage hatte ergeben, dass knapp 80% der Befragten die Förderung der Führungskompetenzen von angestellten PPs und KJPs für sinnvoll erachten und ein Engagement der Kammer in diesem Bereich befürworten. So sind für das Jahr 2019 entsprechende Workshops geplant. Zudem soll am 21.3.2019 der dritte Tag der Leitenden Psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach stattfinden, um die Vernetzung mit interessierten KollegInnen zu fördern.

Im Hauptvortrag widmete sich Prof. Dr. Susanne Knappe von der Technischen Universität Dresden psychischen Erkrankungen im Verlauf der Lebensspanne. Gestützt auf umfangreiche Analysen konnte sie zeigen, dass zwei Drittel aller psychischen Erkrankungen im Kindes- oder Jugendalter beginnen und Hilfe häufig erst im Erwachsenenalter nach Auftreten von Komorbiditäten in Anspruch genommen wird. Dieses Wissen solle genutzt werden, um frühzeitig Hilfe anzubieten und so Folgeerkrankungen, Chronifizierung und somit auch höhere Behandlungskosten zu verhindern. Prävention und Aufklärung über psychische Erkrankungen und Hilfsangebote, etwa in Schulen, seien daher von großer Bedeutung.

Wie wichtig gute und niedrigschwellige Präventionsangebote sind, betonte auch Ullrich Böttinger,  der das Amt für Soziale und Psychologische Dienste beim Landratsamt Ortenaukreis in Offenburg leitet. In seinem Workshop, der von Heike Jokisch moderiert wurde, stellte er das System der „Frühen Hilfen“ vor. Die „Frühen Hilfen“ sind ein vom Bund gefördertes Vernetzungs- und Kooperationsprojekt, das vor allem Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern von 0-3 Jahren sowie Schwangeren auf freiwilliger Basis Unterstützung anbietet. Ziel ist es, möglichst früh psychischen Belastungen entgegen zu wirken. Herusfordernd sei dabei, diejenigen, die Unterstützung am nötigsten hätten, auch wirklich mit den Hilfsangeboten zu erreichen.

Im parallel stattfindenden Workshop „Psychotherapie mit migrierten und geflüchteten Menschen“, der von LPK-Vorstandsmitglied Ulrich Bestle moderiert wurde, berichtete Dr. Mike Mösko vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sehr praxisorientiert von seinen Erfahrungen aus der Psychotherapie mit migrierten Menschen und Geflüchteten und diskutierte mit den Teilnehmern unter anderem ethische und politische Fragestellungen, die sich aus der Arbeit mit Geflüchteten ergeben. Die Teilnehmer tauschten konkrete Informationen und Tipps aus, beispielsweise über zur Verfügung stehende Sprachmittler. Dr. Mösko ermutigte die Teilnehmer, sich trotz verschiedener Hürden (z.B. Finanzierung von Sprachmittlern) weiterhin für Geflüchtete zu engagieren, im Kontext der verschiedenen Einrichtungen auf Missstände hinzuweisen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Der dritte Workshop widmete sich der „Therapie mit Älteren“ und wurde von Andreas Gilcher moderiert. Prof. Dr. Andreas Fellgiebel und Dr. Alexandra Wuttke-Linnemann von der Rheinhessen-Fachklinik Alzey stellten ein Therapieprogramm für Patienten mit Altersdepression vor sowie eine ambulante Gruppenpsychotherapie für Patienten mit leichter Demenz und ihre Angehörigen. Sie erläuterten, wie die Behandlungsmethoden für diese Patientengruppe angepasst werden müssen, etwa durch kürzere und dafür häufigere Sitzungen, emotionale Verankerung oder die Anpassung des Tempos der Vermittlung.

Im abschließenden Plenum wurden die Erkenntnisse aus den einzelnen Workshops für alle Teilnehmer der Veranstaltung zusammengefasst. Insgesamt empfanden sowohl die Referenten als auch die übrigen Teilnehmer den Tag der Angestellten als sehr gelungen und bereichernd und lobten die Möglichkeit des Austauschs und der Vernetzung.


Das Programm zum 4. Tag der Angestellten finden Sie hier.

Die Präsentationen der ReferentInnen zum Download:

 

 

12.11.2018