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Fehlende Finanzierung bremst Psychotherapie-Weiterbildung

Eigentlich sollte die Reform der Psychotherapie-Aus- und weiterbildung von 2019 die prekären Beschäftigungsverhältnisse beenden, in denen viele angehende Psychotherapeut*innen bis dahin in der Versorgung tätig waren. Doch immer noch ist die Finanzierung der Weiterbildungsstellen nicht gesichert. Darüber berichtete die Allgemeine Zeitung und sprach dafür mit Petra Regelin, Geschäftssführerin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. Sie erläuterte der Zeitung die Hintergründe des Problems:

Seit der Reform besteht die Psychotherapeutenausbildung aus einem Psychotherapiestudium an einer Universität und einer anschließenden Weiterbildung in Anstellung zur Fachpsychotherapeut*in. In der Weiterbildung haben die bereits approbierten Psychotherapeut*innen Anspruch auf ein angemessenes Gehalt. Aber:  Es wurde damals versäumt, eine ausreichende Finanzierung der Weiterbildung gesetzlich zu regeln. „Weiterbildung bedeutet Praxis plus Supervision, Theorie und Selbsterfahrung“, erläutert Frau Regelin im Artikel. All diese Bestandteile der Weiterbildung müssen finanziert werden, damit die Weiterbildungsstätten nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Eine Refinanzierung allein über die Behandlungskosten führt laut Deutscher Psychotherapeutenvereinigung zu einem monatlichen Defizit von 2.700 Euro. 

Ohne Gesetzesänderung fehlen also die finanziellen Mittel, damit Praxen, Ambulanzen und Kliniken genügend Weiterbildungsstellen einrichten. Die Zahl der Absolvent*innen der neuen Psychotherapie-Studiengänge wächst stetig (rund 2.500 pro Jahr deutschlandweit, 140 Absolvent*innen pro Jahr in Rheinland-Pfalz). Diese Absolventinnen sind auf einen Weiterbildungsplatz angewiesen, denn ohne Weiterbildung erlangen Sie keinen Fachpsychotherapeutenstatus und dieser ist unter anderem die Voraussetzung für eine Bewerbung um eine Kassenzulassung.

Befürchtet wird von Seiten der Psychotherapeutenkammern, dass in Zukunft ein Nachwuchsmangel droht, falls es nicht gelingt, die Finanzierung neuer Weiterbildungsstellen zu sichern und so Kliniken und andere Institutionen zu ermutigen, Weiterbildungsstellen einzurichten.

Schon jetzt fehlen nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz rund 200 Kassensitze für Psychotherapie, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Richtlinien-Psychotherapie beträgt in Rheinland-Pfalz rund 19 Wochen. Besonders in ländlichen Regionen übersteigt die Nachfrage bei Weitem das Angebot. Den Patient*innen kann also nicht zugemutet werden, dass aufgrund der fehlenden Finanzierung der Weiterbildung zusätzlich ein Nachwuchsproblem entsteht, das die ohnehin schon prekäre Versorgungslage weiter verschärfen wird.
Daher appelliert Frau Regelin an die Politik, eine gesetzliche Regelung zur Finanzierung der Weiterbildung zu schaffen, um absehbarem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken.
 

Der Artikel „Marathonlauf mit gebrochenem Bein. Fehlende Finanzierung bremst Psychotherapeutenausbildung“ von Vanessa Renner erschien am 19. Januar 2026 auf S. 12 der Allgemeinen Zeitung, außerdem online unter dem Titel „Zu hohe Kosten bremsen Ausbildung von Psychotherapeuten“. Zahlende Kunden der Allgemeinen Zeitung können den Artikel hier lesen.

 

Petra Regelin [Foto: Lisa Krieg]

20.01.2026
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