KI in der Psychotherapie: Riskant oder nützlich?
Immer mehr Menschen lassen sich in psychischen Krisen von Künstlicher Intelligenz (Ki) beraten. Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden? Was kann die KI leisten und was nicht? Dies beleuchtete ein ausführlicher Artikel in der Rheinpfalz am Sonntag, für den Dr. Andrea Benecke (Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz und Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer) interviewt wurde.
Sie berichtet, dass auch in psychotherapeutischen Praxen das Interesse an KI groß ist, denn im administrativen Bereich kann KI-gestützte Software für Arbeitserleichterung und Zeitersparnis sorgen. KI wird beispielsweise bei der Terminkoordination, Rechnungserstellung oder zur Anfertigung von Antragsentwürfen genutzt. Um die sensiblen Gesundheitsdaten zu schützen und der Schweigepflicht zu genügen, müssen allerdings besondere gesetzliche Anforderungen erfüllt sein, betont Frau Dr. Benecke. (Hier hilft die Praxis-Info der BPtK „Administrative KI in Ihrer Praxis“ weiter.)
Den Kern der psychotherapeutischen Arbeit berührt KI-gestützte Software bisher aber nicht: Noch unterstützt KI-gestützte Software nicht bei Diagnostik, Indikationsstellung oder Behandlung. Ein Chatbot könne zwar Gesprächspartner sein, nicht aber Therapeut: Chatbots seien weder wirklich empathisch, noch würden sie Veränderungen anstoßen wie Psychotherapeut*innen, stellt Frau Dr. Benecke klar. Problematisch sei es, wenn Laien die Pseudoempathie der KI für echt halten und Chatbots als Ratgeber einsetzen. Zumal diese verstärkend wirken, was bei Manien und psychotischen Zuständen ein Risiko darstellen kann – darauf weist Harald Baumeister im Interview hin. Er ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Ulm und Mitglied der Digital-Kommission der Bundespsychotherapeutenkammer. Eine therapie-ähnliche Nutzung von Anwendungen, die nicht als medizinisches Produkt zugelassen sind, sei vor allem deswegen problematisch, weil ihr Nutzen nicht belegt sei und keine Risikoschätzung vorliege.
Der Artikel „Wenn KI sich um die Seele kümmert“ von Mechthild Treusch erschien am 20./21. Juni 2026 in der Printausgabe der Rheinpfalz am Sonntag und online am 23. Juni 2026 unter dem Titel „Wie KI einer Pfälzerin das Leben rettete und dennoch große Risiken birgt“. Zahlende Kund*innen der Rheinpfalz können den Text hier lesen.







