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Neurobiologie, Gehirn und Schmerzpsychotherapie

Was ist Schmerz? Wie entsteht er und was passiert dabei im Gehirn? Welche physiologischen Prozesse sind messbar? Gibt es einen objektiven Schmerz? Und was kann Psychotherapie für Schmerzpatient*innen leisten? Diese und viele weitere Fragen wurden in der digitalen Veranstaltung „Neurobiologie, Gehirn und Schmerzpsychotherapie" beantwortet, die die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz am 12. März 2026 durchführte.

Das Interesse an dem Thema war groß, so dass LPK-Vorstandsmitglied Ulrich Bestle, der die Veranstaltung moderierte und fachlich begleitete, rund 100 Teilnehmer*innen begrüßen konnte. 
Als Referent wurde Dr. Paul Nilges für die Veranstaltung gewonnen. Herr Nilges ist Mitglied der Vertreterversammlung der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz sowie Supervisor im Bereich Spezielle Schmerzpsychotherapie. Bis zu seinem Ruhestand war er Leitender Psychotherapeut und Weiterbildungsbefugter am DRK Schmerzzentrum in Mainz. Neben seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit hat er sich intensiv für die Etablierung einer qualifizierten Schmerzpsychotherapie in Deutschland eingesetzt und wurde für sein Engagement im Jahr 2019 mit Diotima-Ehrenpreis der Deutschen Psychotherapeutenschaft ausgezeichnet.

In seinem Vortrag gab er zunächst einen kurzen Überblick über die Geschichte der Schmerzforschung und ging auf kulturelle Unterschiede im Umgang mit Schmerz ein, bevor er sich den Vorgängen rund um die Schmerzempfindung widmete. Herr Nilges machte deutlich, dass Individuen durch ihre Erfahrungen das Konzept von Schmerz lernen. Schmerz ist also ein subjektives Bewusstseinsphänomen und wird von biologischen, physiologischen und sozialen Faktoren beeinflusst.

Der Referent betonte in seinem Vortrag außerdem, dass Schmerz und Nozizeption zwei unterschiedliche Phänomene sind: Nozizeption ist ein rein physiologischer Vorgang, bei dem (potentiell) schädigende Reize über das Rückenmark an das Gehirn weitergeleitet werden. Erst bei und nach einer Verarbeitung dieser Information erleben wir Schmerz als bewusstes Phänomen. Kurz gesagt: Schmerz entsteht oberhalb des Rückenmarks. Wichtig sei, sich klar zu machen, dass das Gehirn nicht reagiere indem es nur passiv Reize entgegennähme, sondern antizipiere: Auf Basis bisheriger Erfahrungen werden Vorhersagen getroffen und mit der aktuellen Realität abgeglichen. Chronischer Schmerz wird nach diesem Konzept vor allem durch zentrale Mechanismen aufrecht erhalten und selten durch anhaltende periphere Schädigungen.

In der Schmerzpsychotherapie sollten diese Erkenntnisse berücksichtigt und sowohl die kognitive als auch die emotionale und die Verhaltensebene in die Behandlung einbezogen werden, erklärte Herr Nilges. Das therapeutische Vorgehen umfasse Deeskalation und Rekonzeptualisierung von Schmerz, aber auch Validierung und Entspannung sowie Verhaltensexperimente und Exposition. Schmerztherapie solle stets interdisziplinär und multimodal gestaltet werden.

Der Referent bot in seinem spannenden Vortrag einen umfassenden Überblick über das Thema und gab viele nützliche Hinweise zu weiterführender Literatur. Nach dem Vortrag beantwortete er noch viele interessierte Nachfragen und verwies im Übrigen auf die Möglichkeit der Zusatzqualifikation in Spezieller Schmerzpsychotherapie. Diese verfahrensoffene Weiterbildung steht allen Psychotherapeut*innen offen, die sich auf die Psychotherapeutische Versorgung von Schmerzpatient*innen spezialisieren möchten. Weitere Informationen zu den Inhalten der Weiterbildung sowie zu von der LPK RLP anerkannten Weiterbildungsstätten und Befugten finden Sie auf der Homepage der Kammer hier

[Screenshot vom 12. März 2026: Ulrich Bestle und Dr. Paul Nilges]

25.03.2026
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