Psychische Erkrankungen und Gewaltprävention
Potentiell gefährliche psychisch kranke Menschen in einem Register zu erfassen, verhindert keine Gewalttaten. Die beste Prävention ist psychotherapeutische Behandlung. Dies stellte Dr. Andrea Benecke, Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz und Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer in einem Interview mit dem SWR klar. Für die Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ am 17. Juli 2025 war sie als Expertin zum Studio-Gespräch eingeladen worden.
Eine Weitergabe von Daten psychisch kranker Patient*innen an die Sicherheitsbehörden, wie sie im Nachbarbundesland Hessen diskutiert wird, könnte dazu führen, dass Betroffenen aus Angst vor Stigmatisierung keine Behandlung aufsuchen und sei daher kontraproduktiv, erklärte Frau Benecke im Interview. Es sei verständlich, dass man nach Mitteln suche, Gewalttaten zu verhindern. Allerdings sei es angesichts der weiten Verbreitung psychischer Erkrankungen (rund 30% der Menschen in Deutschland erkranken psychisch!) vergleichsweise sehr selten, dass psychisch erkrankte Menschen Gewalttaten begehen. Die überwiegende Mehrheit der mehr als 18 Millionen Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland ist nicht gewalttätig und die allermeisten Gewalttaten lassen sich nicht auf eine psychische Erkrankung zurückführen.
Die beste Mittel zur Gewaltprävention bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ist eine fachgerechte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. Daher ist es wichtig, die Versorgung weiter auszubauen und flächendeckend niedrigschwellige Hilfsangebote zu schaffen.
Das Interview mit Frau Dr. Benecke in „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ finden Sie hier.
(Der Beitrag beginnt in Minute 28:30 und das Gespräch mit Frau Benecke in Minute 35:10)